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Die Medien und die Politik

Di Lorenzo bereut „Guttenberg Buch“ und FDP-Politiker ruft zum Medien-Boykott auf.

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Der Chefredakteur der ZEIT, Giovanni di Lorenzo bezeichnet sein Buch „Vorerst gescheitert„, in dem er mit Plagiator und ExBundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg ein Interview führte und dies in Buchform veröffentlichte, als Fehler. So hätte der Eindruck entstehen können, er wolle Guttenberg mit der Veröffentlichung helfen.
Ach was? Das fällt Herrn di Lorenzo reichlich spät auf. War ihm nicht bewußt, daß dieses Buch perfekt in die Widerauferstehungs-PR des Barons passte? Oder wollte er es nicht merken, weil er Teil des Guttenbergschen Rückkehrplans war? Nachdem das Buch und das Comeback Guttenbergs als Politiker gescheitert sind, bereut di Lorenzo nun, das Buch überhaupt herausgegeben zu haben. Wer’s glaubt.
Immerhin hat di Lorenzo keinen materiellen Nutzen aus dem Projekt gezogen. Alle Einnahmen, die sich auf stolze 50.000 EUR belaufen sollen, werden gespendet.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Joachim Günther kennt den wahren Gründe für den Niedergang seiner Partei. Diese sind aber nicht bei der Partei selbst zu suchen. Die unfähige Parteiführung (siehe Westerwelle, Rösler, Brüderle u.a.), die einseitige Klientelpolitik (siehe Hotelsteuer) und das Chaos in der Regierungskoalition sind nach seiner Beobachtung nicht ursächlich dafür, daß die FDP in den Umfragen mittlerweile unter Sonstige geführt wird, weil sie die 2 Prozent-Hürde nach unten durchbrochen hat. Nein, Günther kennt die wahren Übertäter: Es sind die Medien!
Wenn er könnte, würde er alle „unmoralischen und unfähigen Journalisten“ zum Rücktritt auffordern. Geht nur leider nicht, ganz ähnlich wie bei NochBundespräsident Wulff. Auch der kann nur selbst auf sein Amt verzichten oder rausgeklagt werden. Und so bleibt für Günther nur ein Weg, um es der FDP-feindlichen Journalie zu zeigen. Er ruft zum Boykott der Medien auf.

Wohl aber kann man Zeitungen abbestellen, Radio- und Fernsehsender nicht mehr einschalten. Ich bin sicher, dann würde sich einiges ändern im medialen Bereich.

Durch diesen Boykottaufruf will Günther die in seinen Augen „linksgrüne Hysterie-Berichterstattung“ eindämmen.

Es sei Zeit, das Spiel zu beenden, das die Presse bundesweit der FDP aufzwingt.

In dem Zuge soll auch „die Jagd der Journalistenmeute, die derzeit das Staatsoberhaupt wie einen räudigen Fuchs über sämtliche Titelblätter und durch alle Fernsehsendungen hetzt“ beendet werden.
Nun ist die Fuchsjagd schon seit einiger Zeit verboten und auch sonst scheint der Herr Günther nicht ganz im Hier und Jetzt angekommen zu sein. Die Medien als Ursache für den Niedergang der FDP herbeizureden, zeugt jedenfalls nicht von der nötigen Reflexion des wahren Zustandes der Liberalen und dessen, was die FDP dahin gebracht hat. Es ist die ureigenste Aufgabe der Medien, Mißstände aufzudecken.  Sich aber auf den Überbringer der Botschaft stürzen zu wollen, statt den Saustall im eigenen Hause aufzuräumen, wird weder die FDP noch Christian Wulff retten.

Diese beiden Themen scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Doch bei genauerer Betrachtung erkennt man, daß es wohl zu Zeiten der Bonner Republik üblich gewesen sein muß, daß Politik und Medien im friedvollen Neben- und Miteinander existierten. Es bestand offenbar ein Nichtangriffsspakt. Die Systempresse war dazu da, die Botschaften der Politik zu verbreiten und nicht diese zu hinterfragen und mit gezielten PR-Kampagnen wurden Politkarrieren gestützt.
Dies hat sich mit dem Regierungsumzug nach Berlin geändert. Die Bonner Hinterzimmerkreise sind passé. Und heute gibt zusätzlich das Internet wirlich jedem die Möglichkeit, seine Meinung zu politsichen Vorgängen einer großen Öffentlichkeit mitzuteilen. Eine gesteuerte, veröffentlichte Meinung ist dadurch praktisch unmöglich geworden. Und das ist gut so. Nur begriffen haben das offensichtlich noch nicht alle im Politzirkus.

Quellen: DWDL, RP, SpoN

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