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Ilse Aigner, das bayerische Irrlicht

Die EHEC-Krise zeigt, daß Ilse Aigner ihrem Amt nicht gerecht wird.

Frau Aigner (CSU), derzeit noch Bundesverbraucherschutzministerin, wird mal wieder allen Befürchtungen gerecht, daß sie mit den Aufgaben, die das Amt an sie stellt, total überfordert ist. So irrlichtert sie dieser Tage durch zahllose Fernsehsendungen von Frühstücksfernsehen bis Tagesschau und hat doch nichts beizutragen zur Lösung des EHEC-Problems.

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Sie ist eine Getriebene von Medien, Lebensmittelinstituten und -herstellen und plappert nur nach, was andere bereits vor ihr in die Mikrofone abgelassen haben. Und so verkommt die Suche nach der Ursache der EHEC-„Epidemie“ zu einer Schnitzeljagd, bei der selbst Kinder systematischer vorgehen würden.
Erst waren es Gurken allgemein, die den bösen Keim an oder in sich tragen sollten, dann speziell Gurken aus Spanien. Folge: Die spanischen Gemüsebauern blieben und bleiben auf ihrer Ware sitzen und drohen mit hohen Schadenersatzforderungen.
Dann wurde vor Gurken, Tomaten und Salat in Norddeutschland gewarnt. In den Medien wurde daraus Gemüse aus Norddeutschland. Nun können auch die deutschen Bauern komplette Ernten wegschmeißen.
Die Neuinfektionen mit dem EHEC-Keim ging trotzdem munter weiter.
Jetzt plötzlich sind Sprossen im Salat im Verdacht. Und diese Sprossen sollen auch gar nicht aus Deutschland stammen, sondern Importware sein. Woher und wann die Sprossen geliefert wurden und ob sie wirklich die Ursache für die EHEC-Infektionen sind, weiß niemand. Vielleicht wurden die Sprossen auch erst in Deutschland verseucht. Das Rätselraten nimmt kein Ende.
Zwischenzeitlich wird aber schon mal ein Restaurant in Lübeck medial zur Brutstätte des Bösen erklärt und damit dessen Existenz für alle Zeit erledigt.

Ilse Aigner käut unterdessen wieder, was ihr das Robert-Koch-Institut (RKI) vorlegt. Dabei hat sich gerade dieses Institut, von dem die Warnungen vor Gurken, Tomaten und Salat stammte, als klassische Fehlbesetzung im Kampf gegen EHEC erwiesen. Von Anfang an war das RKI offensichtlich überfordert und verunsicherte die Bevölkerung.
Die Vorkommnisse in dem Lübecker Restaurant sind dem RKI bspw. schon lange bekannt, trotzdem wurde nur unzureichend aufgeklärt. Ein Interview mit betroffenen Patienten, die in dem Restaurant waren, fand offenbar gar nicht statt. Entsprechende Fragebögen waren einfach nicht verfügbar. Das veranlaßte sogar die Berliner Charité zu offener Kritik am RKI.

Nur eine schläft weiter: Ilse Aigner. Sie wird wiedermal dem Bild gerecht, was man von ihr hat. Überfordert, unfähig, ungeeignet. So wie beim Dioxin-Skandal im Januar dieses Jahres, als verseuchtes Futter für belastete Hühnereier sorgte, oder bei der Erhöhung der Grenzwerte für Lebensmittel aus Japan, als sie statt dafür zu sorgen, daß die EU verstrahltes Essen von den Verbrauchern fernhält, ebendiese mit hohlen Phrasen zu beruhigen versuchte und die höheren Grenzwerte mit abnickte.
Echte Verbraucherschutzarbeit ist ihr offenbar zu kompliziert oder zu anstrengend. Lieber versucht sie mit Aktionen, wie dem Kampf gegen das böse Google-Streetview, in den Medien stattzufinden und so auf Dummen- und Stimmenfang zu gehen.

So eine Verbraucherschutzministerin, die darüber hinaus auch noch Landwirtschaftsministerin ist, braucht niemand. Ihre nicht vorhandene Koordinierungssarbeit, mit der sie die Forschungs- und Pressearbeit der einzelnen Institute hätten aktiv begleiten müssen, wird so zur Gefahr für Hersteller und Verbraucher.
Diese Erkenntnis ist mittlerweile auch im Bundeskabinett angekommen und so versucht sich Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), ein Name, den man sich nicht merken braucht, in den Vordergrund zu spielen. Doch Bahr spielt die gleichen Instrumente wie Aigner: Medienwirksame Besuche in Kliniken, wie dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, und Aussprechen von Warnungen vor den verdächtigten Gemüsearten. Das Krisenmanagement der schwarz-gelben Bundesregierung bleibt ein Trauerspiel.

Angela Merkel besucht derweil lieber den Kirchentag in Dresden, als sich mit unappetitlichen Darmkeimen auseinander zu setzen. Hoffentlich hat sie sich danach wenigstens die Hände gewaschen.

Quellen: Tagesspiegel, Nordkurier, Zeit

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