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Nach Übersee zum Spartarif: der Aufstieg billiger Langstrecken-Anbieter

Hotels reservieren, Flug buchen, Visum beantragen: Für eine Fernreise müssen diverse Vorbereitungen getroffen werden. Für Aufenthalte in den Vereinigten Staaten von Amerika muss zudem bei erstmaliger Einreise ein ESTA-Antrag gestellt werden, der bei erfolgreicher Bewilligung zwei Jahre gültig ist. Bei erneuten Reiseplänen in die USA sollte jeder Reisende seinen ESTA Status überprüfen, um herauszufinden, ob die Genehmigung noch gültig oder bereits abgelaufen ist. Trotz dieses Aufwands ist es mittlerweile fast jedem möglich, sich einen Urlaub im Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu leisten. Vor nicht allzu langer Zeit war dies noch den Wohlhabenden vorbehalten. Urlauber mussten häufig einen vierstelligen Betrag für Langstreckenflüge bezahlen – 1.200 Euro von Frankfurt nach Los Angeles, 1.900 Euro von München nach Melbourne. Seitdem ist viel passiert: Besuchen Interessenten Online Buchungsseiten, trauen sie ihren Augen kaum. Noch nicht mal 300 Euro kostet die Hin- und Rückreise von manchen deutschen Flughäfen nach New York City. Ist das nur ein bemerkenswertes kurzzeitiges Phänomen oder werden sich diese Lowcost-Modelle dauerhaft durchsetzen? Und wie können Fluglinienanbieter diese günstigen Preise anbieten?

Zunahme von Direktverbindungen

Klassische Fluggesellschaften wie Lufthansa verfolgen bei ihren Langstrecken-Angeboten bisher das Konzept, die Reisenden über sogenannte Hubs zu leiten. Fluggäste werden von ihren jeweiligen Abflugorten auf große Drehkreuzflughäfen geleitet, wo sie dann in möglichst großen Tranchen auf Großraumflugzeuge zu ihren Destinationen verteilt werden. Der Trend geht jedoch eindeutig zu schnelleren Direktflügen, die auch von Fluggästen bevorzugt werden. Billigfluganbieter haben diesen Bedarf erkannt und ausgenutzt. Doch wie können sich vormals teurere und natürlich begehrtere Direktverbindungen rechnen?

Geringere Flughafengebühren

Die Erklärung liegt zum einen in den unterschiedlich hohen Flughafengebühren. Während London Heathrow, Frankfurt oder Paris horrende Summen von Airlines verlangen, fallen bei kleineren Flughäfen deutlich weniger Gebühren an. Das birgt enormes Einsparpotential für günstige Fluggesellschaften und ermöglicht Fluggästen gleichzeitig eine bequeme Reise ohne Umstiege direkt von ihrem nächstgelegenen Kleinflughafen aus.

Günstigere Flugzeugmodelle

Zweitens wurden neue Flugzeugmodelle wie beispielsweise der A321LR entwickelt, der sowohl hinsichtlich der Anschaffungs- als auch Betriebskosten günstiger ist als bisherige Langstreckenjets wie etwa der 787-Dreamliner. Diese neuen Modelle bieten für weniger Passagiere Platz, was sie für den Einsatz an kleineren Flughäfen interessant macht. So können Fluggesellschaften neue Langstreckenziele erschließen, auf denen größere Maschinen halb leer Boardservices und dem Personal ein Erklärungsansatz für die günstigen Preise.

Prognose

Etablierte Fluglinien versuchen von den neuen Entwicklungen zu profitieren, indem sie eigene günstige Fluggesellschaften gründen oder bestehende versuchen aufzukaufen. Das wird unter anderem durch das Interesse von Lufthansa an dem führenden Anbieter von günstigen Langstreckenflügen Norwegian verdeutlicht. Es kann angenommen werden, dass sich das Lowcost-Modell ähnlich wie für Kurz- und Mittelstreckenverbindungen auch bei Langstreckenflügen etablieren wird. Der Anteil von Billiganbietern wird Schätzungen zufolge 40-50 Prozent des Marktes ausmachen, hat er sich doch in den letzten zehn Jahren bereits verdoppelt.

Wollen die europäischen Fluglinien gegenüber den erstarkten Golf-Carriern Emirates oder Qatar konkurrenzfähig bleiben, müssen sie wohl ebenfalls billige Langstrecken-Angebote für maximal 500 Euro anbieten. Auch wenn das schlechte Nachrichten für den Klimaschutz sind, Verbraucher dürfen sich freuen: Fernreisen werden wohl zukünftig noch erschwinglicher und der Tourismus-Boom in exotischen Ländern dürfte weiterhin zunehmen.

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