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Brexit – das unvermeidbare Chaos

Dieser Tage herrscht das Chaos auf der britischen Insel.

Manchmal wünscht man sich tatsächlich, die britische Königin hätte wieder mehr Macht und könnte deshalb eingreifen, in die tagesaktuellen Regierungsgeschäfte. Dann könnte Elisabeth II. einfach mal mit dem Zepter auf den Tisch hauen und endgültig eine Entscheidung dazu treffen, ob Großbritannien nun die EU verlassen will oder nicht, und zu welchen Konditionen.

Engagiert Euch!: Im Gespräch mit Gilles Vanderpooten*
  • Stéphane Hessel
  • Herausgeber: Ullstein Hardcover
  • Auflage Nr. 12 (15.07.2011)
  • Taschenbuch: 64 Seiten

[Letzte Aktualisierung am 18.06.2019 um 04:10 Uhr / * = werbender Link (Affiliate) / Bilder von der Amazon Product Advertising API]

Doch die Zeit der allein regierenden Monarchen ist in Europa – außer im Vatikan – lange vorbei. Heute hat sich das Modell der Demokratie fast flächendeckend durchgesetzt, und dieses arbeitet – zum Glück – mit Mehrheiten und hängt nicht mehr vom Wohl oder Übel eines Monarchen ab. Manchmal kommt das System jedoch an seine Grenzen. Nämlich dann, wenn Populisten am Werk sind und das Volk täuschen, so wie in Großbritannien beim Thema Brexit geschehen.

Selbstüberschätzung der Briten

Viele Briten ist das jedoch offensichtlich immer noch nicht ganz klar geworden. Noch immer glauben sie, Europa wäre irgendwie abhängig von Briten und würde deshalb alles tun, um diesen auch noch die absurdesten Wünsche zu erfüllen. Und so beschließt das Unterhaus gestern doch tatsächlich, dass Regierungschefin May noch einmal nach Brüssel fahren soll, um einen besseren Deal auszuhandeln. Dass die EU keine neue Verhandlungen mehr aufnehmen wird, und das den Briten mittlerweile die Rolle des ungeliebten Onkels, der besser heute als morgen die Gemeinschaft verlassen soll, zugefallen ist, haben alle anderen in EU verstanden, nur die Briten nicht.

Es ist also absehbar, dass Theresa May ab ihr Betteltour quer durch Europa auf taube Ohren stoßen wird. Mehr als kosmetische Veränderungen, hauptsächlich an der Regelung für die innerirische Grenze, und vielleicht eine letzte Gnadenfrist für den Vollzug des Brexit über den 29. März 2019 hinaus, wird sie nicht herausholen können. Letztlich wird auch das nur für neuerliche Zeitverzögerungen sorgen.

Dabei sind nur drei Entwicklungen möglich:

  1. Geregelter Brexit
    Die britischen Politiker einigen sich doch noch darauf, den angebotenen Deal der EU anzunehmen, dann kommt es zu einem geregelten Brexit. Doch auch in diesem Fall ist die verbleibende Zeit nunmehr viel zu kurz, um den Ausstieg der Briten aus der EU ohne größere Schwierigkeiten über die Bühne zu bringen. Kaum ein Unternehmen hüben wie drüben kennt bislang die im Deal geplanten Regelungen und Vereinbarungen, deshalb konnte sich auch noch niemand auf deren Umsetzung vorbereiten. Bis Ende März wird das wohl nicht mehr zu schaffen sein.
    Es wird also trotzdem zu chaotischen Verhältnissen kommen.
  2. Ungeregelter Brexit
    Wird keine Einigung erzielt, dann muss Großbritannien am 29. März die EU verlassen. Dann gelten von jetzt auf gleich sämtliche bisherigen Vereinbarungen und Regelungen mit der EU nicht mehr, und die Briten werden als (quasi feindliches) Drittland behandelt. Das wird sich auf alle Lebens-, Wirtschafts- und Rechtsbereiche auswirken.
    Das totale Chaos wird für lange Zeit auf der Insel herrschen.
  3. Exit vom Brexit
    Die Politik sieht endlich ein, welchen Schaden sie bereits jetzt angerichtet hat und welcher noch viel größerer Schaden auf die Briten zukommen wird, und bläst in letzter Minute den Brexit ab. Das ist praktisch bis zum letzten Tag rechtlich möglich. Dann wird es zwar viel zerschlagenes Porzellan zu beklagen geben, die wirtschaftlichen Schäden werden allerdings bei weitem nicht groß ausfallen wie beim Brexit. Das Vertrauen der Märkte zurück zu gewinnen, wird trotzdem ein hartes Stück für die Briten werden.

Das Chaos wird kommen – unvermeidbar

Das Chaos, das durch den Brexit angerichtet wurde, lässt also nicht mehr vermeiden. Zumindest soviel ist klar. Egal, wie Großbritannien letztlich die Gemeinschaft verlassen wird. Mit einem Deal oder ohne Deal, als harten Brexit von heute auf morgen.

Schon heute herrscht in vielen britischen Unternehmen das blanke Entsetzen, vor allem wenn es sich dabei um ein Tochterunternehmen eines Unternehmens vom Kontinent handelt. Viele derartigen Firmen haben bereits die Insel verlassen oder sitzen auf gepackten Koffern. Daran kann auch ein geregelter Brexit nichts mehr ändern. Das Vertrauen in stabile Verhältnisse ist weg oder zumindest schwer beschädigt, und unter solchen Umständen wird niemand auch nur einen Cent im Königreich investieren.

Noch schlimmer wird die Lage bei einem ungeregelten Brexit. Vor allem die Briten selbst werden dann unter den chaotischen Bedingungen zu leiden haben. In praktisch jedem Lebensbereich wird es zu starken Veränderungen und vielfach zu Engpässen kommen. Schnelle Lösungen sind nicht in Sicht, und mit den derzeit regierenden Politikern aber auch der derzeitigen Opposition in Westminster nicht zu erwarten. So wird dem einst so stolze und mächtige Inselreich der Briten die nächsten Jahre beim Untergang zusehen können.

Flagge Grossbritannien

Hochmut kommt vor dem Fall

Man kann vielen Briten nur wünschen, dass sie möglichst schnell ihre wahre Lage erkennen. Wer heute auf die Politiker in Großbritannien schaut, hat dabei jedoch wenig Hoffnung.
Auch so mancher Brief, der in diesen Tagen in einigen Unternehmen hierzulande von britischen Geschäftspartnern eintrudelt, gibt keinen Anlass zu Optimismus. Da wird doch tatsächlich eine Stellungnahme gefordert, wie die europäischen Partner künftig dafür sorgen wollen, dass sich die Briten auch weiterhin dazu herablassen können, die Produkte vom Festland abzunehmen. Auf den Hinweis, die Briten mögen doch zunächst einmal selbst dafür sorgen, dass klare Verhältnisse darüber herrschen, ob und wie Großbritannien gedenkt künftig mit dem Ausland zusammenzuarbeiten, erntet man oftmals Unverständnis vom britischen Geschäftspartner. Offenbar kommt es vielen Briten gar nicht in den Sinn, dass auch sie nicht unersetzbar sind, und dass kein europäischer Unternehmer gewillt sein wird, unter solchen chaotischen Bedingungen Geschäftsbeziehungen zur Insel aufrecht zu erhalten, geschweige denn neue Geschäfte anzubahnen.

Es wird dringend Zeit, dass die Briten ihren Hochmut ablegen. Jetzt geht es wahrlich um die Wurst, für sie selbst. Sie müssen jetzt für klare Verhältnisse im eigenen Haus sorgen. Erst dann können sie hoffen, dass zum einen die Auswirkungen der verkorksten Politik der letzten Jahre nicht allzu heftig für sie selbst werden, und dass zum anderen Europa überhaupt noch mit Großbritannien zusammen arbeiten will.

Hochmut kommt vor dem Fall. Das hat sich auch beim Thema Brexit wiedereinmal bestätigt.

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[Letzte Aktualisierung am 18.06.2019 um 03:10 Uhr / * = werbender Link (Affiliate) / Bilder von der Amazon Product Advertising API]


Ein Kommentar

  1. Hi, ein super Beitrag, der die Unvermeidbarkeit der kommenden Probleme darstellt. Ich sehe dem Ganzen ebenfalls sehr skeptisch entgegen, da der Brexit auch einige Folgen für den Rest der EU mitsich zieht.