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Wir können alles – außer rechnen

Wie sich die Planer Stuttgart 21 schöngerechnet haben.

Nachdem in der letzten Woche Ministerpräsident Mappus nach der guten alten Devise „Angriff ist die beste Verteidigung“ gehandelt und Heiner Geißler als Schlichter in den Ring geschickt hat, dürfte sich dieser eher als Bumerang für Mappus und die Bahn erweisen.
So brachte Geißler den völlig logischen und von allen Seiten erwarteten Baustop ins Gespräch. Was sollte es auch zu besprechen geben, wenn zur gleichen Zeit die Bagger weiter Fakten schaffen und somit S21 immer ununkehrbarer wird? Doch diese Logik erschließt sich nicht jedem. So pfiffen Mappus und Bahn-Chef Grube ihren Schlichter ganz schnell zurück und Geißler sprach plötzlich von einem teilweisen oder gar keinem Baustop. Damit ist die Schlichtung in diesem Punkt bereits gescheitert, bevor sie überhaupt angefangen hat.

Geißler will Transparenz

Doch Geißler ist noch für weitere Überraschungen gut. So fordert er doch allen Ernstes weitgehende Transparenz und Klarheit über die wahren Kosten, die durch den Bau des neuen unterirdischen Durchgangsbahnhofs entstehen werden. Und dabei kommt erstaunliches zutage. Die von Mappus „zugestandene“ Verschiebung von weiteren Fällarbeiten im Stuttgarter Schloßgarten ist gar keine. Die nächsten Bäume sollten sowieso erst im Herbst 2011 gefällt werden. Und auch der Abrißstop für den Südflügel ist eine Mogelpackung. Laut Planung soll dieser Teil des alten Bahnhofs sowieso erst im Frühjahr 2012 plattgemacht werden.
Echte Dialogbereitschaft sieht anders aus. Dank Geißler ist nun bewiesen, daß Mappus weiterhin versucht die S21-Gegner und Demonstranten zu verarschen.

Kosten schöngerechnet

Auch die neuerlichen Erkenntnisse darüber, wie die Bahn zu den veranschlagten Baukosten von 4,08 Mrd. EUR kommt, sind von besonderer Brisanz. Ganz zu Beginn der Planungen wurden mal 4,5 Mrd. EUR als Deadline für das Projekt S21 ausgegeben. Sollte diese Grenze überschritten werden, dann wäre S21 erledigt. So die Planung.
Doch schon im April 2009 gingen die Projektbeteiligten davon aus, daß Stuttgart 21 insgesamt 4,9 Mrd. EUR kosten wird. Bahnchef Grube bekam die Panik und ließ seine Leute nochmal kreativ nachrechnen und Sparpontenzial ausloten. So kam man auf Gesamtkosten von nur noch 4,0878 Mrd. EUR.
Doch diese 4,0878 Mrd. EUR als Obergrenze sollen auf teilweise abenteuerlichen Wegen erreicht werden. So sollen bspw. „Bauwerksoptimierungen“, sprich dünnere Wände und weniger Stahl (damit kennt man sich ja bei der Kölner U-Bahn bestens aus!), knapp 300 Mio. EUR einsparen. Abgestimmt mit dem Eisenbahnbundesamt oder den Architekten sind diese Einsparungen nicht und existieren deshalb bislang nur in der Fantasie des Bahn-Chefs.
Der BUND spricht von Baukosten von bis 8,7 Mrd. S21-Gegner gehen von 12 Mrd. EUR aus. Und selbst der Bundesrechungshof nennt Summen von 5,3 Mrd. EUR. Diese weitaus realistischeren Zahlen weichen doch erheblich von denen der Bahn ab und liegen allesamt über der Deadline von 4,5 Mrd. EUR. Allein das ein Grund Stuttgart 21 sofort zu beenden.

Bürgerentscheid muß her

Mit dieser neuen Transparenz wird es vielleicht gelingen, vollends Licht ins Dunkel der Tunnel- und Bahnhofsbauten in Stuttgart zu bringen. Da ist Geißler auf einem richtigen Weg. Ministerpräsident Mappus und Bahn-Chef Grube stehen nun allerdings im Licht ihrer bisherigen Aussagen und müssen erkennen, daß sie mit ihrer Art der „Offenheit“ gescheitert sind. Die Bürger in Stuttgart und Baden-Württemberg insgesamt erwarten endlich einen fairen und ehrlichen Umgang.
Dazu zählt auch ein echter Bürgerentscheid über das Projekt Stuttgart 21. Sollte dabei die Mehrheit der Bürger unter Kenntnis der echten Fakten für einen Weiterbau stimmen, dann hat S21 eine Zukunft. Aber nur dann. Im anderen Fall sind S21 und damit auch Mappus und Bahn-Chef Grube erledigt.

Quellen: SpOn, K21

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