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PRISM, Tempora und die Auswirkungen

Ist das das Ende der Cloud?

Die in den letzten Tagen durch den NSA-Whistleblower Edward Snowden bekanntgewordenen Datenschutzverstöße und Spionageaktionen der USA gegen Jedermann, auch gegen scheinbar verbündete Staaten und Organisationen, wie Deutschland und die EU, läßt die Bundesregierung und die Bevölkerung erstaunlich ruhig. Warum?

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Bei Großteilen der Bevölkerung mag es am mangelnden technischen Verständnis liegen. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ vom 27,06.13 beispielsweise schien so etwas wie Einvernehmen darüber zu herrschen, daß man nur dann in die Spionagefänge der USA geraten kann, wenn man Bekannten oder Freunden eine E-Mail in die USA sendet. Das ganze Ausmaß der Überwachung wurde nicht mal in Ansätzen überblickt. Über Cloud-Dienste oder in den USA stationierten Servern der Firmen Apple, Facebook, Google oder Blackberry haben sich die Gesprächspartner offensichtlich noch keine Gedanken gemacht. Allein schon der Aufruf von z.B. Google Maps (egal ob vom PC oder Smartphone) gibt den spionierenden USA-Geheimdiensten eine Menge Daten über den Anwender.
Daß in der Sendung auch die Politiker Wolfgang Bosbach (CDU) und Matthias Machnig (SPD) saßen, macht die Unwissenheit nur um so erschreckender.

Was ist bisher über die Spionage bekannt?

Der gesamte Internetgebrauch, dafür reicht schon die simple Nutzung des Smartphones, wie iPhone, Blackberry oder Android-Handy, der über die Verbindungsleitungen in die USA läuft wird überwacht, gespeichert und ausgewertet. Dabei werden E-Mails, Fotos, Videos, Chatprotokolle, Telefonverbindungen, IP-Adressen und Verbindungszeiten geheimdienstlich ausspioniert.
Die Spionageaktionen richten sich gegen Jeden. Auch vermeintliche Freunde, wie Deutschland oder die EU wurden im großen Stil überwacht. Die USA wähnen sich offenbar immer noch im kalten Krieg und sehen sich von Feinden umzingelt.
Nicht nur die USA spionieren (mit dem NSA-Programm PRISM) umfassend, auch andere, wie z.B. Großbritannien mit dem Programm Tempora, sind bei den Datenschutzverletzungen ganz vorn mit dabei.

Was tut die Bundesregierung?

Nichts, außer dem US-Präsidenten noch den Rücken zu stärken. So dankt Innenminister Friedrich auch noch ausdrücklich den USA für die ungesetzliche und völkerrechtswidrige Spionage. Bundeskanzlerin Merkel, für die das Internet immer noch Neuland ist,  hält sich mal wieder solange mit Kritik zurück, bis es gar nicht mehr anders geht. Aus ihrer Sicht verständlich, wollte sie doch mit den ach so tollen Bildern mit Barack Obama am Brandenburger Tor im Wahlkampf punkten. Daraus wird wohl nun nichts mehr werden.
Einzig Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) tut ein wenig empört, nachdem auch sie noch in der letzten Woche fähnchenschwingend Obama in Berlin begrüßt hatte.

Was kann man selbst tun?

Da man davon ausgehen muß, daß die meisten Details dieser Spionageaffäre noch gar nicht bekannt sind und wohl auch nicht mehr ans Tageslicht kommen werden, sollte jeder Einzelne seine Nutzung des Internets überdenken und eine Risiko-Abwägung durchführen. Die Nutzung von Cloud-Diensten kann nicht empfohlen werden. Das gilt für Privatpersonen und noch mehr für Firmen.

Da sich die Spionage aber nicht nur auf die Cloud-Server erstreckt, sondern die kompletten Datenströme betrifft, sollte eine konsequente Analyse der Risiken durchgeführt werden. Ein striktes Nichtmehrnutzen des Internets wird wohl nur in den wenigsten Fällen in Frage kommen, wenn man bedenkt wie weit onlinegestützte Anwendungen bereits unseren Alltag bestimmen. Jeder muß sich fragen, wo er mit geeigneten Schutzmechanismen für mehr Sicherheit seiner Daten sorgen können. Die konsequente Verschlüsselung aller Daten und Datensparsamkeit können da nur ein Anfang ein. Ein Restrisiko wird man aber nicht vermeiden können.

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