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Wilhelm, wer bist Du?

Und vorallem: Was kannst Du überhaupt?

Wir haben seit dieser Woche einen neuen Bundeswirtschaftsminister: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg heißt er. Wobei der Wilhelm zuviel ist. Das ist nicht das einzige „Verwunderliche“ am neuen Wirtschaftsminister. Aber dazu später mehr.

Den Wilhelm in seiner Vornamen-Kette hat ihm ein „Spaßvogel“ auf Wikipedia verpasst. Offenbar ist es unter Adeligen (wobei der Adel in Deutschland seit 1918 faktisch nicht mehr existiert) üblich, daß man den Schwanzvergleich mithilfe der Menge der Vornamen durchführt. Wenn man sonst nichts mehr hat 🙂
Also merkte niemand, daß da ein Vorname zu viel ist und schon geisterte der Wilhelm durch alle Zeitungen und Sendungen.

Im BILDblog kann man nachlesen, wie es zu dem zusätzlichen Wilhelm kam und man kann lernen, wie die Medien in Deutschland arbeiten. Recherchearbeit war gestern.
Wird sie dann mal dabei erwischt, einfach nur abzuschreiben, dann reagiert die etablierte Journalie auch noch äußerst angefasst. Bei der Titanic konnte man schon vor langer Zeit lesen, wie Pressearbeit funktioniert. Nur schade, daß auch die Titanic-Redaktion diesen Weg locker mitgeht.
Ab und zu mal ein reinigendes Gewitter tut den Journalisten ganz gut. Sie müssen lernen, daß ihre Fehler heute durch Internet, Blogger, Twitter und Co. viel schneller ans Tageslicht kommen und daraus die richtigen Schlüsse für die zukünftige Arbeit ziehen. Aus Wikipedia abschreiben kann jeder, dafür muß man nicht Journalist sein. Nicht Wikipedia ist schuld, sondern eure Recherchen waren mangelhaft!

Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Neben dem überzähligen Wilhelm war bei vielen Zeitungen zu lesen, daß der Herr von und zu seine Wirtschaftskompetenz aus der Arbeit im familiären Betrieb bezieht. Es soll sich dabei um die Firma „Von Guttenberg GmbH“ handeln. Eine Firma, die sich hauptsächlich mit Trockenbau, WKSB-Isoliertechnik und Dämmstoffen beschäftigt und 38 Mitarbeiter hat. Also guter deutscher Mittelstand.
Das wäre natürlich eine sehr gute Ausgangslage für einen Bundeswirtschaftsminister. Ist der deutsche Mitztelstand doch der, der am meisten von allen Bundesregierungen vernachlässigt wird aber die meisten Lasten zu tragen hat. Den Großfirmen rammt jeder gern die Kohle noch und nöcher in den Allerwertesten. Und für jeden einzelnen Arbeitsplatz in Großfirmen wird eine persönliche Patenschaft der Bundesregierung übernommen. Das Sterben der mittelständischen und kleinen Firmen ist dagegen nicht mal eine Agenturmeldung wert. Das könnte nun ja anders werden.

Das Problem: Die Geschichte vom Job in der Familienfirma stimmt nicht. Auch hier wieder schlampige Recherche in den deutschen Medien.
Außer bei ZAPP, dem Medienmagazin vom NDR. Die haben wirklich mal nachgefragt. Dabei stellte sich heraus, daß der falsche Wilhelm gar nicht bei der „Von Guttenberg GmbH“ gearbeitet hat. Die Firma „Von Guttenberg GmbH“ ist mittlerweile derart genervt von den Nachfragen nach Wilhelm, daß sie sich auf ihrer Homepage von Wilhelm distanziert.

Wo also hat er gearbeitet und sich seine Wirtschaftskompetenz erworben? Weder der Bundestag, noch das Bundeswirtschaftsministeruim, noch sein Abgeordnetenbüro oder die CSU selbst kann das mit Bestimmheit sagen. ZAPP stieß bei seinen Ermittlungen auf eine Firma Guttenberg GmbH (München HRB 134661). Die hatte genau 3 Mitarbeiter (ist das schon Mittelstand !?) und hat sich ausschließlich mit dem Verwalten des eigenen Vermögens beschäftigt. Und selbst diese Firma existiert seit 2005 nicht mehr.

Soweit zur Kompetenz des neuen Ministers. Augenscheinlich reicht es, den richtigen Namen und das richtige Parteibuch zu haben, um Minister in der Regierung Merkel zu werden. Oder wie es die Grünen ausdrücken:

Man braucht nur Lesen und Schreiben können, um neuer Wirtschaftsminister zu werden.

Quelle: ZAPP

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7 Kommentare

  1. Da zeigt sich ganz deutlich, wo wir in Deutschland angekommen sind. „The show must go on“ ….., dann kommt eine ganze Weile nichts und dann kommt erst wieder solide Arbeit. Wenn wir uns nicht schnellstens an die guten alten deutschen Tugenden erinnern, sind wir schneller weg als Exportweltmeister, als uns lieb ist. Ich bin nicht unbedingt ein Amerika-Fan, aber dort versucht man die besten und fähigsten Köpfe zu finden, um die anstehenden Probleme zu lösen. Und wenn man dann das Hilfspaket von 850 Milliarden Dollar sieht, welches verabschiedet wurde, dann weiß man, dass wir auch bald im Bereich Ökologie überholt werden. Und was machen wir? Da ist es wichtig, dass der Wirtschaftsminister aus Franken kommen muß, weil ja der Vorgänger auch Franke war. Und dann muß die berechtigte Frage gestellt werden, welche Kompetenz hat dieser neue Wirtschaftsminister überhaupt. Aber hier kommt ja erst die Region, die Bundespartei, die Union, die Koalition und erst dann kommt die Frage, was ist für Deutschland das Beste.

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  6. Der Mann ist halt einfach gut. Kapiert’s doch das endlich und schreibt nicht neiderfüllte Komentare.

  7. @Wackibutzi: Der Mann ist nicht gut. Schon gar nicht für uns.
    Einfach mal das Dossier über ihn lesen. Da wird einem vieles klarer.