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Die Farce namens TV-Duell

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Die Kanzler-Kandidaten Show ist nichts weiter als einstudiertes Laienspiel. Der Erkenntnisgewinn ist gleich Null.

Heute Abend kann Deutschland dem Laienspieltheater namens TV-Duell live im Fernsehen beiwohnen. Der Erkenntnisgewinn dieses Duells wird gegen Null tendieren und die Show erwartbar unspektakulär über die Bühne gehen. Was erwarten sich daher die Zuschauer von diesem TV-Ereignis und was werden sie bekommen?

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Bizarres Gezerre

Schon im Vorfeld des heutigen Ereignisses war von einem bizarren Gezerre hinter den Kulissen zu hören. ARD, ZDF, RTL und Sat.1, die vier großen Fernsehsender Deutschlands verhandelten mit dem Kanzleramt die Einzelheiten des geplanten TV-Duells und mußten sich dabei letztlich dem Diktat des Umfelds der Kanzlerin beugen.

Während die TV-Sender sich zwei getrennte TV-Duelle von jeweils 45 Minuten Länge auf den öffentlichen-rechtlichen und den privaten Kanälen wünschten, bestand das Kanzleramt auf einem einzigen Duell von 90 Minuten Dauer. Selbst auf den Ablauf der Sendung wurde starker Einfluß genommen. Eine zweigeteilte Befragung von zunächst zwei Moderatoren der öffentlich-rechtlichen Sender (ÖR) und anschließend von zwei Moderatoren der privaten Sender während dieser anderthalb Stunden verhinderte Merkel.

Regierungssprecher Seibert lehnte sämtliche Vorschläge der Sender bereits im Vorfeld der Verhandlungen als „sehr befremdlich“ ab. Selbst dramaturgische und handwerkliche Kniffe, wie Lichtführung und Kamerafahrten wurden vom Kanzleramt bestimmt. Auch die Teilnahme von Publikum am TV-Duell verbat sich das Kanzleramt.

Die TV-Sender gaben schließlich den Forderungen mit geballter Faust in der Tasche nach, um das TV-Duell überhaupt möglich zu machen. Daß Regierungssprecher Seibert einst selbst als Journalist beim ZDF angestellt war, gab dem ganzen Gezerre zudem ein ganz besondere Note.

Erkenntnisgewinn: Fehlanzeige

Nachdem die Bemühungen, das TV-Duell gegen SPD-Kandidaten Schulz komplett zu verhindern, durch das Nachgeben der TV-Sender gescheitert sind, kann man sich den Erkenntnisgewinn, den das Aufeinandertreffen heute Abend bringen wird, an einer Hand abzählen. Merkel weiß, daß sie die Wahl praktisch bereits gewonnen hat. SPD-Kandidat Martin Schulz braucht das TV-Duell mehr als sie. Merkel muß deshalb nur keine Fehler machen und die Sache ist gelaufen.

Wenig Fehler macht man dann, wenn man gar nichts macht. Ein Politikstil, den Merkel seit ihrer Wahl in das Amt der Kanzlerin vehement und mit Erfolg verfolgt. Immer dann, wenn sie einmal aus der Deckung gekommen ist und ihre wirkliche Meinung zu Themen hat erkennen lassen, dann gab es merklichen Gegenwind. Das wird sie deshalb unbedingt vermeiden wollen und sich deshalb weitgehend bedeckt halten. Aussagen wie „Eine PKW-Maut wird es mit mir nicht geben“ wird man heute Abend nicht von Merkel zu hören bekommen.

Martin Schulz hat dagegen nur noch eine klitzekleine Chance auf den Einzug in Kanzleramt, wenn überhaupt. Aus diesem Grund muß er heute Abend alles versuchen, um die Kanzlerin zu stellen und ihr irgendeine Aussage zu entlocken, um sie darauf in den verbleibenden Wochen bis zur Bundestagswahl festnageln zu können. Die Chancen dafür stehen jedoch schlecht, zumal die SPD als Koalitionspartner die Politik der vergangenen Legislaturperiode mitbestimmt hat. Begangene Fehler einzig der Kanzlerin zuzuschieben, wird deshalb nicht möglich sein. An diesem Dilemma scheiterte nicht zuletzt auch der letzte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Was erwarten sich die Zuschauer vom TV-Duell?

Neben dem sogenannten Grillen von Politikern, dem jeder gern zusieht, solange er selbst nicht das gegrillte Opfer ist, gibt es bei vielen Zuschauern doch noch immer die Hoffnung, daß solch ein TV-Duell irgendeinen Einfluß aus den Ausgang der Wahl hat. Bei John. F. Kennedy hatte es doch damals auch funktioniert, als er als jung-dynamischer Herausforderer im historischen Fernsehduell gegen Amtsinhaber Nixon die Herzen der amerikanischen Wähler eroberte und die anschließende Wahl gewann. Doch alle nachfolgenden Politiker haben nicht zuletzt auch aus den Fehlern, die Nixon in diesem TV-Duell beging, gelernt. Und genau deshalb haben TV-Duelle heutzutage kaum noch eine Wirkung. Echte Fehler wird keiner mehr machen.

Merkel wird daher ihre Rolle als Mutti der Nation perfekt weiterspielen. Ihr Ausspruch beim TV-Duell zur letzten Bundestagswahl, der genau das perfekt widerspiegelte, ist bereits legendär. 2013 sagte sie zum Abschluß in die Kamera: „Sie kennen mich!“ Das hat beim Wähler gewirkt und mehr wird auch heute nicht aus ihr herauszubringen sein. Sie wird ihr Programm wie eine Laienschauspielerin im Dorftheater herunter spulen und den Applaus am Wahlabend entgegennehmen.

Letztlich könnte man sich deshalb solche TV-Duelle sparen, ist der Erkenntnisgewinn doch gleich Null. Doch der Zuschauer will den Spielen beiwohnen, wenn er schon durch die Abgabe seiner Stimme letztlich kaum etwas bewirken kann.

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