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AKW-Stresstest: wie erwartet negativ.

Atomkraftwerke in Europa sind erschreckend unsicher.

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Zu diesem Ergebnis kam ein Stresstest, der einige AKW in Europa, der Schweiz und der Ukraine unter die Lupe genommen hat. Demnach weisen die Atommeiler schwere Mängel auf. Auch in Deutschland. Die Sicherheitstandards, mit denen die einzelnen AKW betrieben werden, unterscheiden sich dazu noch erheblich. Vereinbarte Sicherheitsmaßnahmen, die nach dem GAU in Tschernobyl eigentlich verbindlich festgelegt wurden, ignorieren viele Betreiber bis heute.

Der detaillierte Bericht zu diesem Stresstest, bei dem eine ganze Anzahl von Schwachpunkten offengelegt wurde, will EU-Energiekommissar Oettinger am morgigen Mittwoch der EU-Kommission vorstellen. Sonst soll er aber unter Verschluß bleiben. Die Bevölkerung soll erst einmal nichts von den Mängeln erfahren. Typisch Oettinger. Seine Vorstellung von Transparenz ist durch Stuttgart 21 hinlänglich bekannt. Deshalb überraschen seine Beschwichtigungsversuche „die allgemeine Sicherheitslage der Meiler ist zufriedenstellend“ nicht wirklich.

Bis zu 25 Milliarden EUR wird es kosten, die bestehenden und nun aufgedeckten Sicherheitsmängel in den untersuchten Kernkraftwerken zu beseitigen. Dabei hatten Umweltschützer vor dem Stresstest noch bemängelt, daß dieser viel zu lasch sei. So wurden terroristische Anschläge und Cyberangriffe gar nicht mit einbezogen. Auch wurden nicht alle Meiler untersucht, sondern nur rund 30 Prozent der derzeit im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke. Eine echte Einschätzung zur Gefahrenlage in Europa ist damit nicht möglich.

Doch auch so ist das Ergebnis erschütternd genug. Und das dürfte niemand ernsthaft überraschen. Das einzig Sichere an der Atomkraft ist die Unsicherheit. Daß ein Atomkraftwerk nur dann wirklich sicher, wenn es komplett abgebaut ist, wissen Eingeweihte schon lange. Selbst nach dem Herunterfahren eines AKW geht von den Kernbrennstäben im Abklingbecken und der verstrahlten Bausubstanz insgesamt weiterhin Gefahr aus . Vom Atommüll, für den es bis heute kein Entsorgungsplan oder ein geeignetes Endlager gibt, mal ganz zu schweigen.

Noch laufen die meisten Kernkraftwerke in Europa. Und die tagtägliche Gefahr eines GAU ist ganz real. Die Unfälle und fast täglichen Vorkommnisse in den AKW in der Vergangenheit, auch in Deutschland, sprechen da eine deutliche Sprache. Der sofortige Ausstieg aus der Nutzung der Atomenergie in ganz Europa ist deshalb die einzige intelligente und logische Schlußfolgerung, die man aus diesem Stresstest ziehen kann und muß. Dabei ist diese Erkenntnis gar nicht neu. Nur der allgegenwärtigen Atom-Lobby ist es geschuldet, daß Politiker in ganz Europa weiterhin den Albtraum von der Kernernergie träumen.

Quellen: SZ, Tagesspiegel, contratom

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