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Facebook: Der Anfang vom Ende?

Der Hype um Facebook hat einen derben Dämpfer erhalten.

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Viele Kleinaktionäre, vorallem in Europa waren enttäuscht, daß sie vom Börsengang des Internetgiganten Facebook ausgeschlossen wurden. Versprach doch der Hype um die Platzierung der Facebook-Aktie, der seit Monaten durch die Medien hochgehalten und immer wieder angestachelt wurde, einen satten Zeichnungsgewinn. Doch Kleinanleger blieben außen vor. Nun dürften viele von denen gerade darüber sehr glücklich sein, denn der Kurs der Facebook-Aktie kennt im Moment nur eine Richtung. Und die geht steil nach unten. Statt der prognostizierten 50 Dollar, die die Aktie schon am ersten Handelstag erreichen sollte, taumelt sie in Richtung 20 Dollar. Pessimistische Broker benennen sogar schon 7 Dollar als realistisches Ziel.

Solch ein Fiasko hat es lange nicht mehr gegeben an der Börse in New York. Innerhalb eines Tages wurde aus dem größten Börsengang der Geschichte der Technology-Aktien ein echtes Waterloo. Facebook wurde entzaubert. Nur den Stützungskäufen der Banken war es zu verdanken, daß die Aktie nicht schon am ersten Handelstag unter den Ausgabepreis gefallen ist. Doch diese Unterstützung ist nun weg und so stürzte der Kurs weiter ab. Allein am gestrigen Montag zeitweise um satte 13 Prozent.

Noch sehen viele Marktteilnehmer den Sündenbock in der Software der Nasdaq. Diese Software soll mit diesem Börsengang total überfordert gewesen sein. Viele Broker wußten am vergangenen Freitag gar nicht, ob ihre Orders überhaupt im System hinterlegt waren und welche davon ausgeführt wurden. So ging das über Stunden. Die Nasdaq und die Börsenaufsicht SEC werden sich diesen Börsengang noch etwas genauer ansehen, damit geklärt werden kann, ob alles mit rechten Dingen zuging und damit solche Ausfälle für die Zukunft ausgeschlossen werden.
Doch das Handelssystem der Nasdaq, das vollelektronisch abläuft und in der Vergangenheit schon öfters mal für unerwartete Kursverläufe gesorgt hat, ist nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist Facebook selbst. Der Ausgabepreis von 38 Dollar war wohl viel zu hoch angesetzt. Da wurde von den Altaktionären richtig abkassiert. Im Moment ist die Aktie in den Augen vieler Marktbeobachter überbewertet. Die unklaren Geschäftsaussichten drücken auf den Kurs.
Facebook verdient sein Geld mit Werbung. Und gerade in diesem Bereich mehren sich Stimmen, daß die versprochen Werbeeffekte des sozialen Netzwerkes überzogen sind. General Motors verkündete einige Tage vor dem Börsengang, daß man sich komplett von Facebook zurückziehen und keine Werbung mehr schalten werde. Sollten diesem Beispiel andere folgen, dann würde Facebook in ernste Schwierigkeiten kommen, denn andere Erlösquellen als die auf den User abgestimmte Werbung hat man bisher nicht.

Gründer Zuckerberg ist selbst der Hauptleidtragende des Kursdebakels der Facebook-Aktie. Er hält immer noch 500 Mio. Stück von diesen. Jeder Dollar weniger beim Aktienpreis bedeutet für Zuckerberg den Verlust eines 500 Mio. Dollar-Vermögens. Es ist also in seinem ureigenen Interesse, neue Einnahmequellen zu erschließen. Sollte das nicht auf Dauer gelingen, dann droht auch dem heute „alles überstahlenden Internet-Giganten“ ein Abschmelzen auf Normalmaß, wie das schon ehemals vermeintlich großen Playern wie AOL, Nokia oder Yahoo widerfahren ist. Die Zuwächse der User bei Facebook scheinen ja bereits ihren Zenit überschritten zu haben. Es kann also gut sein, daß der Börsengang die letzte echte Sternstunde von Facebook war und der einstige Star beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

Quellen: SpOn, Handelsblatt (1) (2), FTD

achtung Update (23.05.2012): Mit den Pannen beim Börsengang von Facebook werden sich nun die Gerichte beschäftigen.

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