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Paypal gegen Kuba

Paypal, der Online-Bezahldienst aus dem Hause ebay, will deutschen Händlern das US-Embargo gegen Kuba aufzwingen.

Ende August ging es los. Mehrere Händler, die in ihren Online-Shops den Bezahldienst Paypal als Option für ihre Kunden angeboten haben, bekamen Post von Paypal. Darin wurden sie aufgefordert, unverzüglich alle Waren aus Kuba aus dem Sortiment zu nehmen. Konkret ging es etwa um Rum und Zigarren. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, dann würde Paypal das Händler-Konto sperren. Und Sperre bedeutet auch Sperre und nicht etwa Auflösung. Das auf dem Paypal-Konto befindliche Geld wäre dann 180 Tage lang für den Händler nicht erreichbar. Das allein ist schon eine Dreistigkeit.

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Hintergrund dieser absurden Geschichte ist das Handelsambargo der USA gegen Kuba aus dem Jahre 1962. Die USA wollten damals den kubanischen Außenhandel entscheidend schwächen und so Fidel Castro in die Knie zwingen. Kubanischer Rum und Zigarren, die kubanischen Exportgüter schlechthin, wurden deshalb auf die Sanktionsliste gesetzt. 49 Jahre später existiert dieses Embargo immer noch und will Paypal nun deutsche Händler zwingen, solche kubanischen Waren nicht mehr zu verkaufen.

Die Drogeriekette Rossmann erklärte daraufhin, „man lasse nicht erpressen“ und warf Paypal kurzerhand aus dem Shop. Andere Händler, wie Rum & Co, Weinquelle Lühmann, Kölner Rum Kontor, Getränke Paradies Wolf und Rum Paradise, suchen die Auseinandersetzung in einem Musterprozess vor Gericht.
Rechtlich haltbar ist das Vorgehen von Paypal wohl nicht. US-amerikanische Gesetze gelten nicht in Europa oder gar in Deutschland. Da wird man sich als us-amerikanischer Konzern wohl mal wieder mit der Wirklichkeit beschäftigen und sich vom Großmachtgehabe verabschieden müssen. EU-Verordnungen schließen die Wirksamkeit von Gesetzen, Verboten oder Gerichtsentscheiden von Drittländern aus. Das Kuba-Embargo ist daher für EU-Unternehmen nichtig. Das hätte Paypal schon vor der Gründung seiner Niederlassung in Luxemburg klar sein müssen.

Wie immer das Gerichtsverfahren auch ausgehen wird, der Ruf von Paypal dürfte damit vollends erledigt sein. Die Tochter von ebay, der einstigen Auktionsplattform für jedermann, die seit neuestem ein Onlineshop wie Amazon sein will und die seit Jahren alles dafür tut, auch noch den kleinsten Funken Vertrauen zu verspielen, genießt selbst auch nicht gerade den besten Ruf. Immer wieder kam es zu unvermittelten Kontensperrungen und der Support für gesperrte oder geschädigte Kunden ließ zu wünschen über.
Doch traf das meist „nur“ Privatleute oder kleine Händler. Jetzt verscherzt man es sich mit den Großen des Onlinehandels und davon wird man sich nur sehr schwer wieder erholen können. Längst hat allerorts die Suche nach Alternativen zu Paypal begonnen. Da gibt es zwar zur Zeit nicht sehr viele davon, doch das wird sich garantiert sehr schnell ändern.
Für ebay als Konzern werden die Konsequenzen verheerend sein, macht man doch einen großen Teil seines Gewinns mit der Tochter Paypal. Bricht dieser Teil weg, dann geht es für ebay ans Eingemachte.

Quellen: heise, golem, Amerika21

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Ein Kommentar

  1. Sowas nennt man dann wohl Staatswirtschaft.

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