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Guttenberg auf Abruf

Der nochamtierende Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist wohl nicht mehr im Amt zu halten.

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Der Verteidigungsminister hat dieser Tage alle Hände voll zu tun, vorallem mit der Verteidigung der eigenen Person.
Kunduz-Affäre, Gorch-Fock, Vorfälle in Afghanistan, geöffnete Feldpost – alles Vorgänge, die noch gar nicht hinreichend und endgültig geklärt sind. Meist reagierte Guttenberg in den ersten Stunden des Bekanntwerdens der Vorfälle unter dem Druck der Medien immer nach dem gleichen Schema: Erst alles abstreiten und eigene Verantwortung von sich weisen, allumfassende aber personell behutsame Aufklärung versprechen, um dann wenige Stunden später ganz überraschend doch Köpfe rollen zu lassen. Aber immer nur die der anderen. So geschehen in der Kunduz-Affäre und so geschehen im Gorch Fock-Skandal.

Nun aber steht Karl-Theodor selbst in der Schußlinie und es gibt keinen, den er dafür stellvertretend zur Rechenschaft ziehen, sprich in die Wüste schicken könnte. Außer er entläßt seinen Doktorvater. Doch der wird selbst genug Probleme bekommen, wenn zu Guttenberg der Doktortitel wieder entzogen wird. Und das wird die Uni Bayreuth schon zum eigenen Schutz tun müssen, wenn sich auch nur der leiseste Zweifel an der Doktorarbeit des Baron bestätigen wird.

Doch dann wird Karl-Theodor wohl schon nicht mehr im Amt sein, denn als Bundesminister wird er nicht mehr zu halten sein. Geistiger Diebstahl ist kein Kavaliersdelikt, schon gar nicht in einer Union, die lieber heute als morgen das Urheberrecht verschärfen würde. Auch bei seinen amerikanischen Freunden und Hintermännern gelten Plagiate als Todsünde, die nicht zu tolerieren sind. Auf Unterstützung aus dieser Ecke wird er deshalb vergebens hoffen.
Das alles weiß natürlich auch Angela Merkel. Und im Superwahljahr 2011 wird sie sich und ihre Regierung nicht mit einem Mogelbaron belasten wollen. Das wäre eine Steilvorlage für die Opposition im Wahlkampf. Deshalb wird Merkel Guttenberg schneller fallen lassen, als der alle seine Vornamen aufzählen kann.

Schon jetzt läuft im Internet der Guttenberg-Spott. Bei Twitter rollt geradezu eine Welle des Hohns über den Verteidigungsminister. Einfach den Hashtag #guttenberg anklicken und die teils sehr kreativen Tweets genießen. Die Internetgemeinde hat Guttenberg schon längst abgeschrieben, auch wenn die ARD oder BILD noch Gegenteiliges behaupten.

Heute wird Karl-Theodor zu Guttenberg eine Pressekonferenz geben. Vieles deutet daraufhin, bspw. auch seine Homepage, die im Moment nur noch eine Baustelle ist, daß es seine letzte als Bundesverteidigungsminister sein wird.

Quellen: Handelsblatt (Artikel wurde mittlerweile gelöscht!, sehr seltsam), taz

achtung Update: Guttenberg will vorerst nicht zurücktreten, schreibt seinen Doktortitel aber ab, bis zur Klärung der Vorwürfe. Das erklärte er vor ausgewählten(!) Medienvertretern im Ministerium.
Die restlichen Journalisten warteten derweil vergebens in der Bundespressekonferenz und verließen deshalb demonstrativ den Saal. Die Bundespressekonferenz wurde daraufhin abgebrochen. Die Geschichte wird immer skuriler.

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7 Kommentare

  1. Ich weiß nicht, bisher sieht es noch nicht so aus, als würde er zurücktreten.

  2. Abwarten, die nächste Woche wird entscheidend. Merkel wird ihn ja nicht vor der Hamburg-Wahl opfern.
    Und sich neben dem Netz noch die komplette Hauptstadtpresse zum Feind zu machen, wird auch nicht besonders hilfreich sein, dieses Desaster noch irgendwie als Minister zu überleben.

  3. @Jessy: Grandios!

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