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Weihnachten und der Spendenwahnsinn

Weihnachtszeit – Zeit der Spendenaufrufe

Alle Jahre wieder kommt die gleiche Musik im Radio. Wer kann eigentlich noch „Last Christmas“ von Wham! hören, ohne daß ihm der gerade verspeiste Lebkuchen noch mal durch den Kopf geht?

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Spendenaufrufe

Und alle Jahre pünktlich zum Einkauf der Geschenke und eines günstigen Tannenbaums gehen uns die inflationären Spendenaufrufe auf die Nerven. Meist findet mit dem RTL-Spendenmarathon der imaginäre Startschuß für die alljährliche Spendenpest statt. Glauben die bei RTL eigentlich wirklich, daß mehr Mensch anrufen, nur weil ein Harry Wynford das Gespräch im Studio mit dem nicht zu ertragenen Moderator Wolfram Kons entgegen nimmt?

Warum denken die ganzen Spendensammler eigentlich, nur zu Weihnachten haben die Leute ein Gewissen und erinnern sich der schlechter gestellten Menschen in aller Welt? Damit tun die Spendenorganisationen sich und vor allem den Bedürftigen jedoch keinen Gefallen. Bei der Masse an Aufrufen und Sammelaktionen verlieren viele die Übersicht und damit die Lust am Spenden. Bei stetigen über das Jahr verteilten Aktionen würde sicherlich mehr Geld zusammen kommen.

Neben diesem Nervfaktor gibt es noch mehr zu bemängeln am weihnachtlichen Spendenwahnsinn. Denn leider gibt es nicht nur seriöse Spendenorganisationen. Etliche dubiose Vereine und Firmen tummeln sich am Spendenmarkt und versuchen die Leute abzuzocken. Und damit sind nicht die grundsätzlich im Advent in den Innenstädten auftauchenden Wanderzirkusse gemeint, die ganz plötzlich feststellen, daß ihre Tiere auch Futter brauchen.

Scheinheilige Hilfe

Und dann gibt es noch Spendenaufrufe, die in ihrer Art völlig kontraproduktiv sind. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „Weihnachten im Schuhkarton„.
Viele Rentner und engagierte Eltern rufen jetzt wieder auf, Sachen für notleidende Kinder in der „dritten Welt“ zu sammeln und in einem Schuhkarton als kleines Weihnachtspräsent an diese Kinder zu senden.  Auf den ersten Blick eine sinnvolle und für jeden leicht zu erledigende Sache. Allerdings nur auf den ersten. Beim Blick hinter die Kulissen tauchen dann ganz schnell Zweifel an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ auf.
Ärgerlich ist erst einmal die Aufforderung, nur neue Sachen in den Schuhkarton zu legen. Alte Stofftiere oder nicht mehr benutztes Spielzeug darf nicht verpackt werden. Aber den Hinweis auf strenge Zollvorschriften in den Empfängerländern kann man dann doch irgendwie nachvollziehen.

Es gibt aber noch dringendere Gründe, die gegen diese Aktion sprechen.

Initiator der Aktion ist der Verein Geschenke der Hoffnung e.V. Dieser Verein, der sogar das Spendensiegel des DZI besitzt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Evangelium in die Welt zu tragen. So ganz selbstlos ist die Schuhkarton-Aktion also nicht. Nur wer sich ein wenig missionieren läßt, bekommt auch ein Päckchen aus der für ihn so fernen Welt der reichen Länder. Da diese Päckchen aber hauptsächlich in Länder Afrikas und Asiens gehen sollen, dürfte die Missionsarbeit eher zu Konfliktverschärfungen führen, herrschen in diesen Ländern doch ganz andere Religionen als die christliche. Und wer läßt sich seine Religion schon gern vorschreiben? Viele Spender vergessen auch den Umstand, daß nicht alle Menschen auf diesem Erdball überhaupt etwas mit „Weihnachten“ anfangen können.

Ein weiterer aber ebenso wichtiger Aspekt ist die Entwicklungshilfe. Mit dem punktuellen Verteilen von einzelnen Päckchen an einzelne Kinder kann keine nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. Und diese Hilfe zur Selbsthilfe ist die einzig erfolgversprechende Form der Entwicklungspolitik, darin sind sich alle Experten einig. Ein Export von Verbrauchsgütern in eine fremde Kultur weckt nur weitere Wünsche und Begehrlichkeiten und züchtet so neue Flüchtlingswellen in Richtung „reiches Europa“.
Vom unsinnigen logistischen Aufwand für den Transport der Päckchen in die Empfängerländer und den damit verbundenen ökologischen Belastungen mal ganz abgesehen.

Das alles kann nicht im Sinne der hilfsbereiten Eltern und Rentner sein. Doch leider lassen sich diese allzu leicht vom einfachen Konzept der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ blenden und sind nicht bereit auch nur eine Sekunde über die Konsequenzen nachzudenken.

Sinnvoll spenden

Wer also wirklich sinnvoll Spenden möchte, der sollte sich schon eingehend informieren, was mit seinem Geld passiert und wofür bzw. mit welchen Hintergedanken es ausgegeben wird.
Spenden an seriöse Organisationen sind möglich und werden dringend gebraucht! Nicht nur zu Weihnachten.

Auswahl seriöser Spendenorganisationen:

  • Entwicklungs- und Katastrophenhilfe
  • Kinderhilfsorganisationen
  • Menschenrechts-Organisationen
  • Umweltorganisationen

Quelle: MDR


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3 Kommentare

  1. Hallo,

    Das ist richtig, dass es sehr viele Spendenaufrufe gerade zum Weihnachten gibt. In derzeit sind die Leute auch in vergleichsweise gute Laune und deshalb auch Spendenfreudiger. Die Leute von den Organisationen sind ja auch nicht doof und das Marketing kostet auch sehr viel Geld.

    Was ich an einigen seriösen Anbietern zu bemängeln habe, ist teilweise zu großer Verwaltungsapparat. Da versickert viel zu viel der Spendengelder an Bürokratie. Ich denke, dass man am meisten hilft, wenn man Methoden anwendet, wo man einem Menschen oder einer Familie direkt hilft. Ich habe dazu letztens eine Sendung gesehen.

    Michael

  2. Klar auch das Spendensammeln kostet Geld und keiner will gern für lau arbeiten. Aber die Verwaltungskosten sollten bei einer Organisation nur einen minimalen Bruchteil der gesammelten Spenden aufzehren.
    Bei seriösen Sammlern kann man solche Ausgaben auch immer ganz transparent in den Geschäftsabschlüssen nachsehen.

  3. Pingback: Spendenwahnsinn: Alle Jahre wieder. - Weihnachten, Jahr, Aktionen, Geld, Advent, Spendeneintreiber, Spendenindustrie, Beitrag - Informelles

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