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Das letzte Tabu wird gebrochen: Enteignung auf Zypern -Update

Bürger Zyperns sollen für Finanzkrise bluten. Brechen jetzt alle Dämme?

Das hat es in der jüngeren Geschichte Europas noch nicht gegeben. Über Nacht beschließen die Euro-Länder, daß die Bürger Zyperns enteignet werden sollen. Damit wird das allerletzte Vertrauen in den Euro und die europäische Idee zerstört. Schuld daran sind vor allem Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble.

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Konten und Online-Banking gesperrt, Banken geschlossen, Geldautomaten leer. So sieht derzeit die Lage auf Zypern aus. Brüssel hat den Daumen über die Insel der Götter gesenkt und eine Nacht-und-Nebel-Aktion zur Enteignung der Bürger beschlossen. Als Gegenleistung für eine Finanzspritze von bis zu 10 Mrd. EUR aus dem Eurorettungsfonds soll Zypern das letzte Tabu brechen und seine Bürger direkt schröpfen.
Allen Bürgern mit Einlagen von bis zu 100.000 EUR -auch auf Girokonten- sollen einmalig 6,75 Prozent von ihrem Geld weggenommen werden. Einlagen über 100.000 EUR sollen 9,9 Prozent abgeben. So sollen 5,8 Mrd. EUR zusammenkommen. Damit die Bürger nach dieser Schocknachricht nicht scharenweise ihr Geld von den Konten holen, wurde die Aktion klammheimlich über das Wochenende beschlossen und sofort in die Tat umgesetzt. Niemand kommt derzeit auf Zypern an sein Geld.

Bei dieser Enteignungsaktion soll es keine Freibeträge geben. Jeder Bürger der Republik Zypern, der ein Konto hat, und das dürften wohl so ziemlich alle sein, soll geschröpft werden. So dürfen jetzt die Bezieher kleiner Einkommen für die Finanzkrise bluten, die von großen internationalen -auch deutschen- Banken verursacht wurde.
Ein Tabubruch, der in der Euro-Zone noch einen langen Nachhall haben wird. Wenn sich Kleinsparer und Besitzer von Girokonten nicht einmal mehr auf die gesetzlichen Einlage-Garantien von bis 100.000 EUR, die bisher in Zypern galten, verlassen können, ist damit auch noch das letzte bißchen Vertrauen in das europäische Bankwesen erschüttert. Guthaben auf Banken sind nicht mehr sicher, und waren es auch noch nie. Das dürfte nun jedem klar geworden sein.

Sollte dieser Tabubruch wirklich durchkommen, noch müssen ja die nationalen Parlamente der Euro-Zone und auch Zyperns erst einmal zustimmen, dann sind alle Dämme gebrochen. Dann dürften sich auch die Bürger in anderen Euro-Wackelländern, wie Spanien, Portugal und Italien, auf ähnliche Enteignungsaktionen einstimmen. Ein europaweiter Sturm auf die Banken ist nicht mehr unwahrscheinlich.
Die Reaktionen der Märkte und Bankkunden in der Eurozone in dieser Woche wird darüber entscheiden, ob dieser Tabubruch letztendlich vollzogen wird und ob damit die moralische Schwelle in Europa unter den Gefrierpunkt abgesenkt wird. Die Zukunft des Euro sah noch nie so dunkel aus, wie nach dieser Entscheidung.

Die russischen Oligarchen, die nach dem schwarz-gelben Klischee mit ihrer Geldwäsche im großen Stil Zypern in die heutige Lage gebracht haben sollen, werden mit der Enteignungsaktion nur unwesentlich getroffen. Da hält sich Europa lieber an die kleinen Sparer.

Quelle: SZ

Nachtrag: Offenbar müssen die Menschen auf Zypern noch froh sein „nur“ 6,75 % abgeben zu müssen, Schäuble hatte 40(!) Prozent gefordert. Außerdem wurde die Aktion ganz bewußt auf’s Wochenende gelegt. So kann man die Bürger besser überrumpeln. Unglaublich.

 Update (19.03.2013): Das zyprische Parlament hat die von der EU verordnete Zwangsabgabe auf Bankguthaben abgelehnt. Sollte Russland nicht mit weiteren Krediten helfen, wird Zypern wohl in eine ungeordnete Insolvenz gehen müssen. Den Rest von Euro-Land wird das schwer treffen. Die kommenden Tage werden sehr spannend.

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9 Kommentare

  1. War es wirklich so unvorhersehbar? Ich denke die Medien pushen das Thema jetzt etwas hoch, fakt war doch seit vielen Monaten dass auch Zypern über kurz oder lang finanziell einbrechen wird. Das dort jetzt Spareinlagen unsicher sind und sogar Enteignungen beginnen, mich wundert das nicht!

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  4. Ich hab mich mit dem Thema auch auf meinem Blog beschäftigt: http://www.boersenblog.biz/zypern-eurokrise-zeit-fuer-eine-korrektur/. Zwar kann man sich bei Bankeinlagen nie ganz sicher sein, doch glaube ich nicht, dass es in Deutschland zu einem Zugriff auf die Spareinlagen kommt. Der Staat hat hier doch viel elegantere Möglichkeiten, z.B. durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Und Vorsicht bei Gold: Was, wenn der Staat wieder ein Goldbesitz Verbot erlässt?

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