Informelles

für Dich aus Politik und Gesellschaft.

War die „BILD für alle“ wirklich gratis?

BILD verteilte 41 Mio. Gratis-Ausgaben – doch wer zahlte diese Aktion?

Anzeige

Am Samstag war es soweit. BILD feierte seinen 60. Geburtstag, ob das wirklich ein Grund zum Feiern ist, liegt im Auge des Betrachters, und „beglückte“ deshalb jeden Haushalt in Deutschland mit einer Gratis-Ausgabe. 41 Mio. „BILD für alle“.

"Gratis"-BILD

"Gratis"-BILD

Im Vorfeld dieser BILD-Aktion hatten bereits viele Menschen der Zustellung dieser BILD schriftlich widersprochen. Die Zahl 41 Mio. dürfte daher wohl mehr als geschönt sein. Doch die Anzeigen-Verkaufsabteilung der Axel Springer AG muß die äußerst deftigen Anzeigenpreise ja irgendwie rechtfertigen. Und das ist der entscheidende Punkt bei dieser „Gratis“-Aktion. Für die „BILD für alle“ galten spezielle Anzeigenpreise. Bereits im Januar 2012 tauchten die entsprechenden Verkaufsprospekte auf. Demnach kostete eine ganzseitige Anzeige in dieser BILD-Ausgabe den stolzen Preis von 4 Mio. EUR. Für eine halbseitige Anzeige mußte man 2,2 Mio. EUR auf den Tisch im Axel Springer-Hochhaus legen und für eine viertelseitige Anzeige immerhin noch 1,3 Mio. EUR. Immer zuzüglich Mehrwertssteuer versteht sich.

Wieviel Gutes hätte man mit diesem Geld tun können, statt damit diese „Gratis“-BILD zu finanzieren? Denn es ist keineswegs so, daß Springer diese BILD verschenkt hat. Rechnet man alle geschalteten Anzeigen zusammen, dann kommt auf eine Summe von weit über 30 Mio. EUR, die BILD damit eingenommen hat. Selbst wenn man die Produktions- und Verteilungskosten hoch ansetzt, Recherchekosten sind ja wohl kaum angefallen bei dem journalistisch derart dünnen Inhalt, dürfte Springer zumindest plus/minus null aus der Nummer rausgekommen sein. Wahrscheinlicher ist aber, daß man sogar noch einen Gewinn gemacht hat.

Die Anzeigenkunden der „Gratis“-BILD werden natürlich versuchen, ihre Ausgaben über höhere Endkundenpreise wieder einzuspielen. Daß heißt am Ende werden die Kunden der werbetreibenden Firmen die „BILD für alle“ bezahlen müssen. Und selbst die Menschen, die eine Annahme der BILD verweigert haben, werden so zur Kasse gebeten. Gratis sieht irgendwie anders aus.
Deshalb ist es spannend, sich mal näher damit zu beschäftigen, welche Firmen in dieser „Gratis“-BILD geworben haben:

  • Die wichtigsten Werbekunden waren MediaMarkt, Lidl, DHL und C&A. Die haben jeweils eine ganzseitige Anzeige geschaltet.
  • Nicht zu verachten war auch Volkswagen, die gleich mehrfach Werbung schalteten. Eine halbseitige Anzeige und zweimal eine ¼ Seite.
  • Weitere halbseitige Anzeigen kamen von Opel, Deutsche Telekom, Haribo und vodafone.
  • Sky, O2 und ATU schalteten jeweils eine viertelseitige Anzeige.

Dazu kommen mehrere kleinere Anzeigen, zum Teil auch als Gewinnspiele getarnt. Daß die versprochenen Preise gesponsert sind und BILD diese nicht bezahlen muß, dürfte wohl jedem klar sein. Zumal zur Teilnahme am Gewinnspiel eine kostenpflichtige Nummer angerufen werden muß, von der sowohl BILD als auch die entsprechenden Telekommunikationsfirmen profitieren.

Fazit
Nicht alles, was als Geschenk daherkommt, ist auch in Wirklichkeit eins. Man sollte das und die in der „BILD für alle“ werbenden Firmen im Hinterkopf behalten und beim nächsten Einkauf seine Kaufentscheidung dementsprechend fällen.

Anzeige

[Preise inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten / Letzte Aktualisierung am 24.11.2017 / * = werbender Link (Affiliate) / Bilder von der Amazon Product Advertising API]



Teile diesen Artikel mit anderen:
banner