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Kein Facebook – kein Unterricht.

Eine Schule schließt Schüler vom Unterricht aus, weil von ihnen keine Fotos bei Facebook erscheinen dürfen.

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In Braunlage wurden in einer Schule 6 Kinder vom Unterricht in ihrer Klasse ausgeschlossen, weil deren Eltern nicht wollten, daß von ihren Kindern Fotos bei Facebook online gestellt werden. Die Kinder mußten vorübergehend in andere Klassen gehen.

Hintergrund war eine Schulstunde, zu der ein Geschichtenerzähler eingeladen wurde. Von diesem herausragenden Ereignis mußte die Nachwelt natürlich unbedingt erfahren. So wurde in der Schule die Idee geboren, während dieser Schulstunde Fotos zu machen und diese auf Facebook zu posten.
Natürlich waren alle einverstanden. Denn welche Mutter ist nicht begeistert, wenn ihr Sprößling in der lokalen Presse mit Foto und vollständigen Namen auftaucht. Meist werden die kleinen Racker extra noch nach vorn geschubst, wenn der rasende Reporter der lokalen Zeitung im Kindergarten, der Schule oder beim Schützenfest ein Fest schießt, das am nächsten Tag dann tatsächlich in der Zeitung erscheint. Wahnsinn. Dieses Foto wird dann ausgeschnitten und stolz archiviert. Das muß der kleine Ruhm sein, von dem Andy Warhol einst sprach.

In Braunlage sollten die Fotos sogar auf Facebook erscheinen, weltweit. Mehr Ruhm geht nicht. Nur die Eltern von 6 Kindern wollten da nicht mitspielen. Sie untersagten die Veröffentlichung der Fotos ihrer Kinder. Diese Kinder wurden deshalb von der Schulstunde mit dem Geschichtenerzähler ausgeschlossen.
Warum man nicht einfach die Fotos aussortiert hat, auf denen diese sechs Kinder zu sehen hat, bleibt das Geheimnis der Schule. Der Verdacht der Bestrafung liegt aber nah. Wenn die Schule schon etwas Tolles organisiert und davon berichten will, dann haben Miesepeter da nichts zu suchen. Basta.

Stattdessen hätte die Schule mal nachdenken sollen, wie es um ihre Medienkompetenz bestellt ist. Wenn Eltern schon all zu sorglos Fotos von ihren Sprößlingen in sozialen Netzwerken verteilen, dann sollte eine Schule da nicht auch noch mitmachen, nur weil Seiten wie Facebook im Moment in sind. Es gibt übrigens erste Anzeichen dafür, daß dies nicht mehr allzulange so bleiben wird.

Von den Punkten Datenschutz und Urheberrecht, die eindeutig gegen Facebook sprechen, mal abgesehen, können durch die Veröffentlichung der Kinderfotos etliche Gefahren ausgehen. Kinder können diese Gefahren nicht einschätzen und viele Eltern offensichtlich auch nicht. Datenschützer warnen seit Jahren vor dem allzu sorglosen Umgang mit persönlichen Daten.
Schulen müssen deshalb vor der Veröffentlichung von Kinderfotos die Einwilligung von den Eltern einholen. Die Eltern müssen vor ihrer Einwilligung über die Risiken aufgeklärt werden, die von solchen Fotos ausgehen. Das ist die pädagogische Aufgabe der Schule. Und nicht der Ausschluß der Kinder, die sich gegen eine Veröffentlichung der Fotos auf Facebook entschieden haben. Hier ist die Schule in Braunlage ihrer Aufgabe nicht gerecht geworden. Eine Nachschulung zum Thema „Umgang mit sozialen Netzwerken und Schutz der persönlichen Daten“ ist für das Lehrerkollegium dringend notwendig. Lehrer haben ja die Zeit dafür.

Quelle: golem

achtung Update (21.06.2012): Jetzt meldet sich die Schulleiterin zu Wort. Man wollte nur das Beste für die Kinder, was wahrscheinlich sogar stimmt, und hat doch alles falsch gemacht.

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2 Kommentare

  1. Ist doch schon unglaublich, welche Wertstellung dieses sozialen Netzwerke jetzt auch schon im Schulalltag einnehmen. Dennoch finde es für die ausgeschlossenen Schüler nicht schön. Dennoch ohne das Einverständnis blieb vermutlich nichts anderes übrig.

  2. Naja, in Zeiten von Kinderschändern und Co. finde ich sowieso, dass Kinderbilder im Internet überhaupt nichts zu suchen haben…

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