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Neuseeland macht Bahnprivatisierung rückgängig

Die Bahn Neuseelands wird wieder verstaatlicht.

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Während Deutschland zur Zeit die Bahn privatisieren will, macht Neuseeland alles wieder rückgängig.
1993 hatte man noch auf einen Schlag alles verkauft. Keine Teilveräußerung wie Deutschland plant, sondern 100% Privatisierung. Private Investoren übernahmen alles: Schienennetz, Personenverkehr und Frachtsparte.

Inzwischen jedoch sieht man in Neuseeland die Privatisierung als Fehler an, der schnellestens korriert werden muß. Man will die Bahn für 665 Mio. Neuseeland-Dollar von der Toll Holding zurückkaufen.

Dabei hatte vor 15 Jahren alles so vielversprechend angefangen. Die privaten Investoren ließ bald nach der Übernahme der Bahn Sanierer Hand anlegen. Teilbereiche wurden verkauft. Der Konzern schrieb schwarze Zahlen und der Börsengang folgte. Der Aktienkurs verneunfachte sich in kurzer Zeit.
Allmählich zeigte sich jedoch, daß die guten Zahlen mit unterlassenen Investitionen erkauft wurden. Unprofitable Strecken wurden stillgelegt, das Schienenetz verkam langsam aber sicher, die Loks und Waggons litten und Verspätungen häuften sich so sehr, bis sie bald zur Regel wurden.

2003 zog die Regierung die erste Reißleine und verstaatlichte das Schienennetz wieder und gewann die Toll Holding als Investor für den Personenverkehr und die Frachtsparte. Doch die allgemeine Lage der Bahn verbesserte sich kaum. Toll glänzte auch nicht durch Investitionen sondern stritt lieber mit der Regierung über die Gebühren für die Nutzung des Schienennetzes.

Jetzt ist für Neuseeland das Maß voll. Die Bahn wird komplett zurückgekauft. Die Toll Holding ist trotzdem über ihr Engagement bei der Bahn froh: Hatte man die Bahnteile doch einst für 395 Mio. Neuseeland-Dollar gekauft. Nun verkauft man diese für 665 Neuseeland-Dollar zurück an die Regierung. Kein schlechter Deal. Für die Toll Holding. Die neuseeländischen Steuerzahler dürften darüber allerdings nicht so glücklich sein.


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Quelle: Financial Times Deutschland

Vielleicht sollte sich die deutsche Bundesregierung mal mit den Erfahrungen bei Bahnprivatisierungen im Ausland beschäftigen. Neuseeland und Großbritannien sollten da eigentlich als abschreckende Beispiele genügen!
Aber offenbar möchte man die schlechten Erfahrungen lieber selbst einmal machen. Wie sagt man so schön: “Erfahrungen kann man nicht vererben.”

5 Kommentare

  1. Gegenbeispiel Japan. Mit dem Blick auf das Ausland kann man alles beweisen…

  2. Stimmt. In Japan ist die Privatisierung der Bahn besser gelaufen. Doch kann man Japan mit Deutschland kaum vergleichen. Aufgrund der geografischen Bedingungen ist eine lineare Verbindung von großen Wirtschaftszentren/Städten möglich. Daher ist der Hochgeschwindigkeitszug “Shinkansen” so ein großer Erfolg. Da sieht es im Flächenstaat Deutschland schon ganz anders aus. In Japan werden pro Schienenkilometer täglich mehr als 46.000 Fahrgäste befördert, in Deutschland nur knapp 5.000.
    Auch waren in Japan das Schienennetz und der Fahrzeugpark VOR der Privatisierung auf neuestes Niveau gebracht worden. So waren diese Investitionen nicht von der privatisierten Bahn aufzubringen. Ein wichtiger Grund für den wirtschaftlichen Erfolg, sprich Gewinne der Privatbahn.

    Fazit: “Mit dem Blick auf das Ausland” kann man also nur lernen. Auch von Japan. Nur leider werden hierzulande weder die negativen Erfahrungen von Neuseeland noch die besseren von Japan berücksichtigt.

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