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Bahn: Kaputtgespart für die Rendite

Unter dem geplanten Börsengang leidet die Bahn AG noch heute.

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Die Liberalen haben für alle Probleme eine scheinbar ganz einfache Lösung: Privatisieren. Öffentliche Aufgaben in die Hände von privaten Investoren legen, und alles wird gut. Auch beim jetzigen Bahn-Skandal in Mainz kam eilig der FDP-Spitzenkandidat Brüderle aus der Ecke gekrochen und forderte die schnelle Privatisierung der Bahn. Das ist so merkbefreit, daß selbst Parteikollege Kubicki darüber lachen mußte und diese irre Idee sofort zurückwies.

Die Deutsche Bahn AG leidet ja gerade unter dem Versuch, sie zu privatisieren. Der jetzige Chef des Berliner Pannenflughafen BER, Hartmut Mehdorn, der davor bei Air Berlin, Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB), Deutsche Aerospace (DASA), Dornier, Heidelberger Druckmaschinen AG und eben bei der Deutschen Bahn sein Unwesen trieb, ist u.a. dafür verantwortlich, daß die Bahn heute solche immensen Probleme hat.

Kaputtgespart für Börsengang
Im Zuge der Vorbereitung auf einen Börsengang wurde im Konzern gespart, was das Zeug hielt. Man wollte sich attraktiv machen für die zukünftigen Aktionäre. Dabei können diese von Glück sprechen, daß es nie zum Börsengang gekommen ist. Unter Mehdorn wurde die Personaldecke ausgedünnt, das Heranziehen von Nachwuchskräften vernachlässigt und auf Teufel komm raus an allen Ecken und Kanten gespart. Das ging an die Substanz. Die Betriebssicherheit bei der S-Bahn Berlin, einer Tochter der Bahn, konnte daraufhin wegen vernachlässigter Wartung des rollenden Materials bis heute nicht wieder hundertprozentig hergestellt werden.

Nun hat es den Stellwerk-Fahrdienst am Mainzer Hauptbahnhof getroffen. Wegen Krankheit und Urlaub kann der Fahrbetrieb nicht aufrecht gehalten werden. Es kommt wohl noch bis Ende August zu stundenlangen Betriebsunterbrechungen. Ihre Daseinsberechtigung, die Dienstleistung „Transport von Personen und Gütern“ verläßlich anzubieten und durchzuführen, hat die Bahn damit verloren. Schlimmer kann es nicht kommen.

Auch an andern Standorten kann es wegen der dünnen Personaldecke jederzeit zu Zuständen wie in Mainz kommen. Mainz ist keine Ausnahme, überall wirken auch heute noch die Sparmaßnahmen nach. Und der jetzige Bahnchef Grube hat es bisher versäumt, die Mehdornschen Auswüchse grundlegend zu beseitigen.

Privatisierung ist ein Fehler
Privatisierung ist also nicht das Allheilmittel, sondern genau das Gegenteil. Das hat man auch schon in Neuseeland festgestellt, wo die Privatisierung der Eisenbahn wieder rückgängig gemacht wurde.
Und die Fast-Aktionäre der Deutschen Bahn AG haben Glück gehabt, daß der Börsengang 2011 vorerst abgesagt wurde. Denn sonst hätten sie ihr Geld in einen kranken Konzern gesteckt, der nur durch geschönte Zahlen auf dem Papier glänzte, aber nicht mal in der Lage ist, regelmäßig Züge fahren zu lassen.

Wo ist Ramsauer?
Wo ist eigentlich der zuständige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer? Nach seinen alljährlich im Sommer aufgewärmten PKW-Maut-Fantastereien hat man von ihm nichts mehr gehört. Dabei ist der Bund der Inhaber aller 430 Millionen Anteile am Grundkapital der Bahn, das 2,15 Mrd. EUR beträgt. Es ist also das ureigenste Interesse des Bundes, darauf zu achten, daß dieses Vermögen erhalten bleibt und daß das Unternehmen nicht vor die Wand gefahren wird.
Doch von Ramsauer hört man, wie immer, wenn es konkret wird, nichts.

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