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Arte hat durch die Nichtausstrahlung der Antisemitismus-Doku einen Fehler gemacht

Die Antisemitismus-Doku von Arte wird von BILD gezeigt, statt von Arte selbst. Damit hat der Kultursender ganz viel falsch gemacht.

Eine Arte Doku ist in voller Länge auf der Internetseite von BILD zu sehen. Diese Information hätte normalerweise für einen Witz getaugt, doch in diesem Fall ist sie ganz real. Während sich viele BILD Leser wohl verwundert die Augen gerieben haben, ob der Tatsache, daß es da diesen „neuen Sender Arte“ geben soll, ist die Verbreitung der von Arte abgelehnten Dokumentation über den weit verbreiteten Antisemitismus in Europa und Deutschland über die Kanäle von BILD gar nicht so verwunderlich. Der Springer Verlag kämpft schließlich nicht erst seit gestern, als die Arte Doku „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ für 24 Stunden auf der Homepage von BILD zu sehen war, gegen Antisemitismus. Die Unterstützung der Lebensrechte Israels gehören zu den seit Jahrzehnten bestehen Unternehmensgrundsätze von Springer. Für einen deutschen Konzern sollte dies eigentlich normal sein.

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Arte

Warum Arte die Ausstrahlung der Dokumentation über den ganz alltäglichen Antisemitismus in Europas Politik und Organisationen verweigerte, ist bis heute nicht ganz klar geworden. Offiziell ist die Rede davon, daß die Doku, die von Arte bestellt wurde und für die der WDR die redaktionelle Verantwortung hatte, das zentrale Thema „nur sehr partiell“ und nicht ausgewogen behandelt hätte und deshalb so nicht dem genehmigten Projekt entspräche.

Wie genau man Judenhass ausgewogen hätte darstellen sollen, darüber schweigt sich Arte leider aus.

WDR

Auch der WDR gibt dabei eine nur sehr unrühmliche Rolle ab. Nachdem die Doku bereits intern abgenommen und an Arte weitergereicht wurde, heißt es nun plötzlich, daß man „bedauere, daß die redaktionelle Abnahme in diesem Fall nicht den beim WDR geltenden Standards entsprochen habe“.  Daß die redaktionelle Abnahme von der mehrfach ausgezeichneten Arte-Beauftragte des WDR, Sabine Rollberg durchgeführt wurde, unterschlägt der WDR bei seiner Rolle rückwärts geflissentlich.

Hintergrund der Doku

Wer die Dokumentation gestern auf BILD nicht angesehen hat, Arte verweigerte ja bekanntlich die Ausstrahlung, dem sei kurz der Inhalt erläutert. Die Doku zeigt an zahlreichen Beispielen und Gesprächen mit Menschen, wie real und ganz alltäglich der Haß auf Juden in Europa, in Deutschland, Frankreich und Palästina (bestehend aus Gazastreifen und Westjordanland) noch immer ist. Darüber hinaus werden neben geschichtlichen Zusammenhängen auch die zahlreichen Hilfsprogramme und Milliardenzahlungen für die palästinensischen Gebiete beleuchtet.

Auf YouTube kann man „Auserwählt und ausgegrenzt Der Hass auf Juden in Europa“ zur Zeit noch sehen.


Quelle: YouTube

Warum Arte diese Doku dem deutschen Zuschauer vorenthalten wollte, erschließt sich nicht.

Zensur-Geruch

Insgesamt hat die ganze Angelegenheit ein großes Geschmäckle. Offenbar fühlten sich einige der in der Doku genannten Parteien, Politiker in Deutschland, Europapolitiker, Menschenrechtsbeauftragte, Hilfsorganisationen, wie „Brot für die Welt“, „B’Tselem“, UN-Flüchtlingswerk u.a. auf den Schlips getreten. Diese Vermutung läßt sich nicht belegen, keiner der Angesprochenen würde das schließlich öffentlich zugeben, doch sie liegt nah.

Offenbar will man nicht sehen und schon gar nicht gezeigt bekommen, daß in großen Teilen der Gesellschaft ein antisemitisches Weltbild vorherrscht. Daß man dadurch der häufig undifferenzierte Israel-Kritik und damit dem Antisemitismus weiteren Boden bereitet, ist den Verantwortlichen egal.

Die geäußerten Gründe von Arte und WDR sind nur vorgeschoben. Der Geruch von Zensur läßt sich deshalb glaubhaft nicht bestreiten.

Fazit

Als deutscher Sender, der von den Gebühren der deutschen Fernsehzuschauer finanziell lebt, hätte Arte – der öffentlich-rechtliche Gemeinschaftskanal von ARD und ZDF – in Anbetracht der geschichtlichen Verantwortung diese Dokumentation geradezu zeigen müssen. Die Verantwortlichen von Arte haben so viel falsch gemacht, was im Nachhinein nicht mehr gekittet werden kann, daß dieses Trauerspiel nicht ohne Konsequenzen bleiben kann.

Man muß BILD in diesem Fall dankbar sein, daß der Zugriff auf die Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ möglich gemacht wurde. Nur so konnte sich der Zuschauer selbst eine Meinung bilden. Und um Bildung ging es bei Arte doch, oder?

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