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Wie homophob ist Deutschland?

Die unglaubliche Reaktion auf ein Coming-Out.

Ein Profi-Fußballer, der nun nicht aktiv in der Nationalmannschaft ist, outet sich als schwul und Deutschlands Medien drehen durch.

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BILD, Welt, Focus und Co. spielen die Aufgeklärten und doch entlarvt sie ihre eigene Aufgeregtheit bei diesem Thema. Ist das mediale Dauerfeuer zum verspäteten Outing von Ex-Profi Thomas Hitzlsperger wirklich nur der Auflage geschuldet oder ist es doch nicht so „normal“, wie alle vorgeben? Wohl eher letzteres. Selbst die Bundesregierung sah sich ja veranlaßt, durch den Regierungssprecher zu diesem Outing Stellung zu beziehen. Hitzlsperger wußte wohl doch sehr genau, warum er sich gerade nicht während seiner aktiven Zeit geoutet hat.

Da stellt man sich Fragen.

  • Warum ist dieses Thema immer noch ein Thema?
  • Wann werden solche Nachrichten keine mehr sein?
  • Wann werden BILD und Co. den ersten noch aktiven Spieler ins Scheinwerferlicht zerren?
  • Wieviel Angst geht jetzt unter schwulen Sportlern um?
  • Warum veröffentlicht Spiegel online dazu einen Artikel, der nur aus Fragen besteht, keine Antworten gibt, dafür aber konsequent das Wort schwul vermeidet?

Deutschlands Öffentlichkeit beeilte sich nach dem Coming-Out von Hitzlsperger zu bekunden, daß Homosexualität etwas ganz Normales ist. Und doch hat die Akzeptanz dieser Tatsache die große Mehrheit der Bevölkerung noch nicht durchdrungen, anders ist das übergroße Interesse an dieser Story nicht zu erklären. Zumindest das ist – neben all den Fragen – noch einmal sehr deutlich geworden.

Rot-Grün hat im Jahr 2000 die eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt. Doch Ehe darf diese Verbindung offiziell nicht genannt werden. Steuerliche Belange und Rechte mußten sich homosexuelle Paare mit Hilfe des Bundesverfassungsgerichts gegen den Willen der Unionsgeführten Bundesregierung erkämpfen. Beim Adoptionsrecht ist der Kampf noch nicht zu Ende.
Es wird noch Jahre dauern, bis auch die letzten Ressentiments wirklich gefallen sind. Und solche Nachrichten, wie die von einem schwulen ex-Profi-Fußballer, keine Schlagzeilen mehr sind.

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