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So läßt die Bundeswehr ihre Helfer im Stich

Nach Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan bleiben die Helfer schutzlos zurück.

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Im Jahr 2014 soll der ISAF-Einsatz der Bundeswehr beendet werden. Dann sollen Freiheit und Sicherheit Deutschlands nicht mehr länger am Hindukusch verteidigt werden.

Der Einsatz war ein voller Erfolg. Afghanistan ist dann ein Land in Frieden, der Terrorimus ist beseitigt, die Menschenrechte werden konsequent eingehalten und überall sind blühende Landschaften zu finden. Leider ist das nur Wunschtraum. Die Bundeswehr hinterläßt nach ihrem Abzug ein Land im Chaos. Die Taliban werden aus ihren Verstecken zurückkommen und die Menschen finden sich in der gleichen Situation wieder, wie vor dem Einsatz der westlichen Truppen. Der Krieg am Hindukusch hat weder den Terrorismus beseitigt, noch hat er für Frieden in der Region gesorgt.

Auch die Helfer der Bundeswehr sind dann in akuter Gefahr. Viele Dolmetscher und andere Helfer, wie Fahrer und Wachleute, wurden von der Bundeswehr benötigt und aus der Zivilbevölkerung vor Ort rekrutiert. Rund 1.700 Afghanen haben so für die Deutschen gearbeitet. All die Jahre waren diese Menschen treue Gehilfen, auch weil sie auf die Sicherheitsversprechen der Deutschen vertraut haben. Nun sollen sie für diese Loyalität bezahlen. Sie sollen schutzlos zurückgelassen werden. Vom einstmals hohen Ansehen der Deutschen in Afghanistan ist nichts mehr geblieben.

Die Taliban sehen in Afghanen, die den ausländischen Truppen geholfen haben, Verräter und Kollaborateure der Ungläubigen, die den Tod verdient haben. Die USA haben deshalb schon über 2.200 Afghanen in die Vereinigten Staaten ausgeflogen. Ein Spezial-Visa-Programm für afganische Helfer macht dies möglich.
Auf solche Unterstützung haben auch die Helfer der Bundeswehr gehofft. Sie wandten sich mit der Bitte um Hilfe an die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Kabul. Doch hier fühlte man sich  nicht zuständig für diese Menschen. Sie sollten sich an die Bundeswehr wenden. Das wäre schließlich deren Problem.
Von der Bundeswehr bekamen die afghanischen Helfer aber nur eine Mappe mit Urkunden und Zeugnissen. Der ganze Dank für den lebensgefährlichen Job bestand also – ganz bürokratisch, wie Deutsche nun einmal sind – aus ein paar Dokumenten, die nichts wert sein werden im Afghanistan nach Abzug der westlichen Truppen. Mehr noch sind genau diese Unterlagen ein echtes Sicherheitsrisiko für die Helfer. So haben die Taliban schwarz auf weiß, wer mit den Besatzungstruppen zusammengearbeitet hat und wer deshalb in ihren Augen ein Verräter ist.

Ein Visum gibt es für die afghanischen Helfer der Deutschen nicht. Nach Aussage der Bundeswehr wurde die Gefährdungslage der Helfer als nicht so gravierend eingeschätzt, daß eine Ausreise die einzig mögliche Alternative wäre. Das sehen die USA und andere Länder bekanntlich anders. Bundesinnenminister Friedrich lehnt ein Einreiseprogramm für diese Menschen trotzdem ab. Man könnte sie ja innerhalb von Afghanistan umsiedeln. So wäre die Gefahrensituation beseitigt. Und das meint der Herr Friedrich wirklich ernst.

Bliebe noch der Weg über Asyl. Aber auch der Weg über einen Asylantrag aus Afghanistan heraus zu kommen, ist für die afghanischen Helfer nicht möglich. Um einen Antrag auf Asyl stellen zu können, muß man sich in Deutschland befinden. Nur wer bereits in Deutschland ist, kann einen Asylantrag stellen. Da kennt die Bürokratie keine Ausnahme.

So läßt es die Bundeswehr zu, daß Menschen, die jahrelang treu für die deutsche Armee gearbeitet haben, schutzlos zurückgelassen werden. Ihr Leben ist dann in Gefahr und die schwarz-gelbe Politik weiß das. Soll das die Freiheit sein, die Deutschland am Hindukusch verteidigen wollte?
So können auch die afghanischen Helfer nur auf einen Regierungswechsel im Herbst 2013 in Berlin hoffen. Vieleicht steht eine neue Regierungskoalition dann zu ihrer Verantwortung gegenüber den vielen afganischen Helfern der Bundeswehr.

Quelle: ARD-Magazin monitor

Update (06.06.2013): Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordert die Bundesregierung auf, allen afghanischen Ortskräften, die in ihrem Heimatland für die Bundeswehr gearbeitet haben, und ihren engen Familienangehörigen eine Aufnahme in Deutschland anzubieten.

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