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Mindestlohn? Schön wär’s.

11 Prozent der Arbeitnehmer bekommen weniger als 8,50 EUR.

Das Wort Mindestlohn hat eigentlich eine bestimmte Bedeutung. Es sagt aus, daß jeder Arbeitnehmer diesen Lohn mindestens erhalten sollte, damit sich sein Job auch für ihn lohnt. Der DGB hat dafür eine untere Grenze von 8,50 EUR pro Stunde festgelegt. Damit lassen sich bei weitem keine großen Sprünge machen. Und auch die oft zitierten Hängematten sind weit und breit nicht zu sehen. Mit 8,50 EUR kann ein Arbeitnehmer in Deutschland gerade so über die Runden kommen. Mehr nicht.

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Keine Binnennachfrage

Daß solche Mindestlöhne nicht zur Belebung der Binnennachfrage beitragen können, zeigt sich schon heute und dies wird sich in Zukunft noch verstärken. Zwar gibt es in schöner Regelmäßigkeit rosige Meldungen von der Konsumfront, nach denen sich die Deutschen dumm und dusselig kaufen ohne Rücksicht auf das Morgen und die Euro/Finanzkrise. Doch diese Meldungen kommen genau wie jene alljährlichen zu Weihnachten direkt von der Märchenwiese. Offenbar glaubt der Handel wirklich, mit solchen Jubelmeldungen eine Art Torschlußpanik bei den Verbrauchern auslösen zu können. Frei nach dem Motto „Wenn alle anderen hemmungslos shoppen, dann kann ich das auch“. Man wird am Jahresende sehen, wie sich der Konsum wirklich entwickelt hat. Und die Chancen stehen gut, daß die Deutschen ihr Geld lieber zusammen halten, als dies sinnlos auszugeben.

Menschen mit einem Lohn von 8,50 EUR pro Stunde werden kaum einem Konsumrausch verfallen können. Doch es gibt in Deutschland zahlreiche Arbeitgeber, die ihren Angestellten noch weniger als das zahlen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiten rund 11Prozent aller Arbeitnehmer für weniger als den vom DGB geforderten Mindestlohn. Meist sind Minijobber und Teilzeitkräfte, darunter 60 Prozent Frauen, betroffen. Es gibt aber auch Vollzeitkräfte, die für solche Hungerlöhne arbeiten müssen. Vorallem Betriebe im verarbeitenden Gewerbe, in der Gebäudereinigung und der Zeitarbeit zahlen meist weniger als 8,50 EUR pro Stunde. Ebenso Einzelhändler und Gastronomiebetriebe.

Gesellschaftlicher Zündstoff

Welch gesellschaftlichen Zündstoff diese Zustände tragen, ist weder Arbeitgebern noch der Politik offenbar richtig klar. Diese unterbezahlten Menschen müssen bereits heute auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft von der Allgemeinheit mitgetragen werden. Die Arbeitgeber streichen einfach einen Teil des Lohns für sich selbst ein und alle anderen Arbeitnehmer und Steuerzahler dürfen diesen Teil aus ihrer Tasche zahlen. Kosten werden sozialisiert und Gewinne privatisiert. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.
Schon heute ist absehbar, daß der „Generationenvertrag Rente“ in den kommenden Jahren arge Probleme bekommen wird. Immer weniger Einzahler müssen immer mehr Rentner finanzieren. Zwar wird der Produktivitätszuwachs einiges ausgleichen, trotzdem werden auf die Sozialkassen große Herausforderungen zukommen. Werden die unterbezahlten Arbeitsverhältnisse in Zukunft weiter zunehmen, danach sieht im Moment alles aus, dann wird das Projekt Rente wohl nicht mehr zu stemmen sein. Da hilft auch die staatliche Subvention der Versicherungswirtschaft namens Riester-Rente nichts. Von den anderen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Leistungskraft Deutschlands ganz zu schweigen.

Wer solch ein Fiasko verhindern will, der muß sich vehement für die Einführung eines Mindestlohns, der entgegen der konservativen Polemik keine Arbeitsplätze zerstört, in Deutschland einsetzen. Alles andere ist asoziale Wirtschaftspolitik.

Quelle: SpOn

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