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WM-Abschlußfeier: Der bittere Beigeschmack

Feier am Brandenburger Tor verkommt zur Dauerwerbesendung.

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„Wir sind Weltmeister!“ ist überall zu lesen und zu hören, dabei hat diesen Titel einzig die aktuelle DFB-Auswahl errungen, die in Brasilien zur FIFA-Fußballweltmeisterschaft der Herren angetreten ist. Nicht der kleine Fußball-Fans am heimischen TV-Gerät. Und theoretisch könnte sich jederzeit eine andere Firma oder Organisation finden und eine Konkurrenz-Fußballweltmeisterschaft veranstalten, wie man es vom Profiboxen kennt. Die Aussage „Wir sind Weltmeister!“ hat also weniger Gewicht, als gemeinhin angenommen wird.

Diese Ansammlung von Profi-Fußballspielern mit deutschem Paß hat den Pokal und den Titel zuallererst für sich und den DFB geholt. Und eine Menge Geld gab es auch noch dafür. Bis zu 500.000 Euro pro Spieler waren drin, wenn man in Brasilien dabei war und auch in der Qualifikation und Vorbereitung zum Aufgebot gehörte. Die Einnahme von zusätzlichen Werbegeldern und die Steigerung des eigenen Marktwertes verstehen sich von selbst.

„Deutschland“ und die Fans spielen in diesem Geschäft nur die kleine Nebenrolle des zahlenden Zuschauers. Das ist nichts Erstaunliches, wenn man Fußball vor allem als gigantische Vermarktungsmaschinerie begreift. Dieser klare Blick fehlt jedoch vielen Fußballbegeisterten. Die gestrige Abschlußfeier der neuen Weltmeister am Brandenburger Tor in Berlin sollte ihnen allerdings die Augen geöffnet haben.

Sponsoren, Sponsoren, Sponsoren

Die ganze Veranstaltung war eine einzige Dauerwerbesendung. Die Boeing 747-800 der Lufthansa wurde werbewirksam in dem Himmel über Berlin gesetzt. Geschenkt, irgendwie mußten die Kicker ja zurück in die Heimat kommen. Die Fahrt im Bus vom Flughafen Tegel und noch vielmehr die Fahrt im offenen Truck durch die Straßen durch Berlin waren dagegen jedoch mehr als peinlich. Mercedes kaperte den mühsam errungenen 4. Stern und besetzte diese Stelle mit dem eigenen Firmenlogo. Und als ob dies noch nicht genügte, waren der Bus und der Truck übervoll mit Werbebotschaften von Mercedes beklebt. Als Krönung der ganzen Aktion mußten die Spieler, die gerade noch im offiziellen weißen Trikot der deutschen Mannschaft aus dem Lufthansa-Flugzeug gestiegen waren, diese Trikots gegen ein schwarzes Sponsoren-Shirt von Mercedes tauschen.
Die Fans tragen die bis zu 99 Euro teuren weißen Trikots, um so ihre Zuneigung zur Mannschaft zum Ausdruck zu bringen, und die Mannschaft trägt schwarze Sponsoren-Shirts. Ein Bild von ungeheurer Symbolkraft und ein deutliches Zeichen, worum es im Profifußball wirklich geht.

Fans läßt man warten

Daß man diesen Eindruck sogar noch steigern kann, zeigte die Ankunft der Spieler auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor. Während die Zuschauer auf der anderen Seite des Tores zum Teil seit mehreren Stunden sehnsüchtig auf die Spieler warten, haben die nichts Wichtigeres zu tun, als dem Sponsor Commerzbank eine halbstündige Aufwartung zu machen. Die Fans läßt man weiter warten.

Peinlichkeit der Spieler

Zu guter Letzt zerstört die Mannschaft selbst noch den guten Eindruck, den man weltweit von ihr gewonnen hatte. Der Respekt, den sie sich durch jahrelange, zielstrebige Arbeit, hin auf diesen WM-Titel erarbeitet hatte, reißt man mit einer einzigen völlig unnötigen Aktion wieder ein. Mehrere Spieler führen einen in der Fußball-Szene wohl üblichen „Tanz“ auf und singen dabei „So geh’n die Gauchos, die Gauchos, die geh’n so!“. Damit soll der unterlegene Endspielgegner Argentinien eindeutig gedemütigt werden. Sportlicher Respekt, Weltoffenheit und Toleranz sehen anders aus.

Damit bleibt am Ende ein bitterer Beigeschmack von dieser Fußballweltmeisterschaft und der deutschen Mannschaft zurück.

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