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Diesel-Skandal: Warum die VW-Umrüstaktion wohl nur eine Mogelpackung ist.

| 1 Kommentar

VW-Autos sind auch nach der Umrüstaktion weiterhin Dreckschleudern.

Man ahnte es sofort. Die Umrüstaktion, mit der Volkswagen die manipulierten Diesel-PKW wieder gesetzeskonform machen wollte, konnte so nicht funktionieren. Ein einfaches Plastik-Bauteil mit einem Materialwert von wenigen Cent und ein schlichtes Software-Update, so einfach konnte es nicht sein, die Betrugs-Diesel-Motoren sauber zu bekommen. Warum sonst hätte Volkswagen milliardenschwere Strafen und die Existenz des gesamten Konzerns mit manipulierten Motoren aufs Spiel setzen sollen, wenn es so simpel gewesen wäre. Dann hätte man dies auch gleich einbauen können.

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Bundesverkehrsminister

Doch auf die Idee, darüber einmal nachzudenken, kam Bundesverkehrsminister Dobrindt (CSU) ganz offensichtlich nicht. Er glaubte den „Experten von VW“ und vertraute darauf, daß die VW-Diesel-PKW nach der Umrüstaktion alle gesetzlichen Grenzwerte einhalten würden. So lautet zumindest die offizielle Version.

Nach Informationen des Spiegel sind an dieser Darstellung jedoch erhebliche Zweifel angebracht. Offenbar wollte man über die Unsinnigkeit der Umrüstaktion gar nicht nachdenken, der Schaden für VW sollte möglichst gering gehalten werden. Und so propagierte das Bundesverkehrsministerium zusammen mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) das Software-Update und die technischen Updates am VW Diesel-Motor vom Typ EA 189 als die Lösung aller Probleme. Weniger als 100 Euro pro Fahrzeug sollte VW die Aktion kosten.

Und am Ende wären nur Gewinner übriggeblieben: Die Umwelt, weil die Dieselmotoren nun endlich ganz sauber sind. Die PKW-Halter, weil ihr Auto im Verbrauch, Leistung und Wert mindestens genauso gut ist, wie vorher. Und Volkswagen, weil die Kosten für die Aufarbeitung von #Dieselgate im verkraftbaren Rahmen bleiben.

Dieselmotoren bleiben Dreckschleudern

Doch dieses Märchen war zu schön, um wahr zu sein. Die Motoren sind nach dem Update die gleichen Dreckschleudern wie vorher, und Volkswagen wußte das von Anfang an. Der Dieselskandal ist nicht einmal ansatzweise behoben.

Die neue Software in den Diesel-Fahrzeugen sorgt für gleich mehrere Abschalteinrichtungen, die wiederum zu extrem hohen Stickoxid-Emissionen führen. Volkswagen war offenbar von Anfang nicht daran interessiert, die NOx-Emissionen in den Griff und in die gesetzlichen Grenzwerte zu bekommen. Vertrauliche VW-interne Papiere, die dem Spiegel und dem ZDF vorliegen, belegen dies. Demnach legte VW bereits im November 2015 eigene Grenzwerte fest, die nach dem Software-Update erreicht werden sollten. Und diese VW-Grenzwerte liegen im Straßenbetrieb 3 bis 5 Mal höher als der gesetzliche Grenzwert von 180 mg/km NOx. So werfen die VW-Dieselmotoren nach dem Software-Update immer noch bis zu 900 mg/km NOx raus.

Nur im offiziellen Labortest sollte der gesetzliche Grenzwert eingehalten werden. Und dies ist genau eine 1:1-Kopie der Betrugssoftware, die den Dieselskandal einst ins Rollen gebracht hatte. So dreist wie Volkswagen muß man erst einmal sein.

VW genießt Narrenfreiheit

Hierzulande genießen die Wolfsburger offensichtlich Narrenfreiheit und können tun und lassen, was sie wollen. VW ruft, die Politik springt.

Rein rechtlich braucht Volkswagen – zumindest in Deutschland – nichts befürchten, denn die eigenständig von VW festgelegten Grenzwerte sind offenbar mit dem KBA abgestimmt. Außerdem würden „Schadstoffgrenzwerte nur für den offiziellen Labortest gelten und nicht auf den regulären Straßenbetrieb anzuwenden sein“, meint Volkswagen. Insofern muß man als Bürger offenbar schon froh sein, daß VW überhaupt daran denkt, Schadstoffe zu begrenzen. Toll.

Nun schiebt man sich zwischen Bundesverkehrsministerium und KBA gegenseitig den Schwarzen Peter zu. Nur einer thront wie immer über den Dingen und läßt sich durch Argumente und Fakten nicht beirren: Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Wähler hat es im Herbst in der Hand, diesen Politik-Kamikaze zurück nach Bayern zuschicken und die CSU aus der Regierung zu kippen.

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Ein Kommentar

  1. Auch meiner Meinung nach stehen die Dieselmotoren vor dem aus. In Zeiten von Nachhaltigkeit und alternativen Energien ist es nur eine Frage der Zeit bis Diesel-Fahrer von der Politik stärker zur Kasse gebeten werden.

    Aber ich muss auch sagen, dass mir VW ein wenig Leid tut. Sie sind ins Netz der Medienspinne gekommen und werden nun ausgesaugt. Die Bevölkerung glaubt doch nicht ernsthaft, dass VW der einzige Automobilhersteller ist, der bei den Abgaswerten schummelt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch andere große Unternehmen auffallen, es sei denn sie haben bis dahin das Problem behoben.

    Ich bin gespannt was auf uns zukummt. Vielen Dank für Ihren Beitrag.

    Jan

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