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Erfolg und Erfolgsdruck: Sind gute Leistungen immer gesund?

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Sportler am Start | Foto: nappy, pexels.com

Sportler am Start | Foto: nappy, pexels.com

Erfolg hat oft zwei Seiten. Einerseits können Glücksgefühle und Selbstbewusstsein zu weiteren Errungenschaften führen, andererseits kann der Erfolg von enormen Druck gefolgt werden, zukünftig noch bessere Leistung erzielen zu müssen. Ist der Erfolg nun Fluch oder Segen?

Der Erwartungsdruck

Das Klopfen auf die Schulter, die Glückwünsche, das Lob. Eine gute Leistung erbracht zu haben, kann beschwingend sein und motiviert viele dazu, noch härter zu arbeiten, um sich auf die nächste Hürde vorzubereiten. Doch während dies potenziell einen positiven Effekt auf unsere Psyche hat, kann es auch zu dem Gefühl führen, dass wir unter Druck stehen und beim nächsten Mal noch mehr leisten müssen. Sonst würde man als Versager gelten, denken viele insgeheim. Andere wiederum blühen unter dem Druck auf und nutzen diesen, um sich in die nächste Herausforderung zu stürzen. Jeder ist anders und die eigene Reaktion ist weder falsch noch richtig, sondern sagt viel mehr darüber aus, wie wir arbeiten und uns innerlich fühlen.

Für Sportler geht es um mehr als “nur” die Medaille

Leistungssportler stehen meistens unter sehr großem Druck, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Es geht dabei nicht nur um persönliche Erfolge, sondern um Sponsoren, Trainer und Teams, die mit den Athleten zusammenarbeiten und viel Zeit und Energie investiert haben. Außerdem können Sportler ihre Tätigkeit nur bis zu einem gewissen Alter ausführen, bevor es körperlich schwierig wird, sich gegen die jüngere Generation durchzusetzen. Dieses Alter liegt weit unter dem Rentenalter in Deutschland. Es ist also wichtig, während dieser relativ kurzen Karriere eine gute Leistung zu erzielen – schon alleine aufgrund der eigenen Rente. Sportler können daher unter anderem psychische Probleme entwickeln, wie Medical Tribune beschreibt.

Hürdenläuferin | Foto: pexels.com

Hürdenläuferin | Foto: pexels.com

Sportler gehen früh in den Ruhestand

Der Profiboxer Floyd Mayweather, der aufgrund seiner athletischen Leistungen bei vielen Kritikern als einer der besten Schwergewichtsboxer überhaupt gilt, ging mit 41 Jahren offiziell in den Ruhestand, auch wenn er noch weiterhin vereinzelt an Kämpfen teilnimmt.

Steffi Graf, die in ihrer Karriere 22 Grand Slam-Turniere gewann, ging schon im Jahr 1999 im Alter von 30 Jahren in den Ruhestand und erklärte damals, es gäbe für sie nichts mehr zu erreichen. Sie hätte erstmals die Freude am Tennisspielen verloren, berichtete die Ikone, und sagte, sie verspürte nach dem Entschluss eine Erleichterung. Selbst für überaus erfolgreiche Sportler kann der Druck wie eine Belastung wirken und mit zunehmendem Erfolg wächst dieser noch mehr.

Positive Einstellung zum Erfolg

Auch wenn negative Emotionen – gerade nach sehr intensiven Sportlerkarrieren – hervorgerufen werden können, wird Erfolg natürlich auch positiv aufgefasst und führt oft zu weiteren Errungenschaften. Verlässt man sich nicht nur auf das erhaltene Lob, sondern konzentriert sich obendrein darauf, persönliche Ziele zu erreichen, kann der Erfolg einen positiven Effekt auf das Selbstbewusstsein haben. Die positive Auswirkung von Erfolgen auf unser Gehirn wird Siegereffekt genannt und beschreibt unter anderem die hervorgerufenen positiven Emotionen. In Wettkampfsituationen werden Menschen, die diesen Effekt erleben, laut Betway fokussierter, selbstbewusster und aggressiver. Grund dafür ist, dass man auf den Geschmack des Gewinnens kommt und Konkurrenten übertrumpfen möchte, wie der Neurowissenschaflter Ian Robertson beschreibt. Nach einem erreichten Ziel sorgt der Dopamin-Feedback-Kreislauf dafür, dass das Verhalten wiederholt werden kann und der zuständige Bereich in unserem Gehirn Lob und Glücksgefühle aussendet. Nicht nur der Sport und das Showbiz kann diese Gefühle hervorrufen: Schon der Sieg bei einer Runde Monopoly führt zu einem ähnlichen Effekt. Um unser Leben lebenswert zu machen, müssen wir Erfolge erzielen, egal wie klein diese erscheinen. Wir sind also auf das Belohnungssystem angewiesen.

Die Sucht nach Lob

Ein Ziel nach dem anderen zu erreichen, kann aber auch zur Sucht werden. Ein Beispiel außerhalb des Sports ist die Musikgruppe Milli Vanilli, dessen weltweiter Erfolg laut RP Online nach einem Skandal ein abruptes Ende fand: Es wurde bekannt, dass die Mitglieder ihre Lieder lippensynchron gesungen hatten. Im Jahr 1989 war die Band deshalb gezwungen, ihre Grammy-Auszeichnungen zurückzugeben. Fabrice Morvan berichtete viele Jahre später, dass die beiden der Idee, nicht selbst zu singen, zwar abgeneigt gegenüberstanden, aber vom Erfolg und Ruhm so eingenommen waren, dass sie nicht ohne diese auskommen wollten. Beide rutschten anschließend in eine tiefe Depression und in die Drogenabhängigkeit. Zwar war es bei Milli Vanilli kein freiwilliger Austritt aus dem Showgeschäft, doch vielen Athleten ergeht es ähnlich, sobald sie sich von den großen Wettbewerben zurückziehen. Sportler verbringen oft einen überwiegenden Anteil ihres Tages damit, zu trainieren oder an Wettbewerben teilzunehmen. Viele Jahre werden normalerweise vom Sport beherrscht. Fällt dieser dann weg, entsteht oft eine innere Leere. Es ist also wichtig, die richtige Balance zu finden.

Erwartungsdruck kann positiv oder negativ aufgefasst werden. Wird er negativ bewertet, kann es sein, dass wir den Erfolg innerlich vielleicht gar nicht wirklich möchten, aber andere nicht enttäuschen wollen. Spornt uns der Druck aber an, können wir diesen nutzen, um weitere Ziele zu erreichen und schwierige Phasen zu überwinden. Es ist entscheidend, herauszufinden, was man für sich selbst und die eigene Gesundheit braucht – sowohl physisch als auch psychisch.

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