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Artikel der Kategorie ‘Netz’:

ebay und die Paypal-Pflicht

Februar 26, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Netz Noch keine Kommentare →

Das Bundeskartellamt wird sich jetzt mit der neueingeführten Paypal-Pflicht befassen.

ebay -  das ist das Auktionshaus, das mal sehr vielen sehr viel Spaß gemacht hat, seit geraumer Zeit aber unter der eigenen Gier zu leiden hat und deshalb in der Gunst der Schnäppchenjäger stark gesunken ist. Vorallem für private Verkäufer lohnt sich eine Auktion oder ein Verkauf über ebay kaum noch. Die hohen Einstell- und Verkaufs-Gebühren und die rechtlichen Unsicherheiten sind dafür die Gründe.
Ebenso der nicht vorhandene Service und die nicht vorhandene Unterstützung durch ebay bei auftretenden Problemen, wie Zahlungsausfällen, Abmahnungen oder Betrügereien. Nur mit Textbausteinen kann man nunmal keinen Service für seine Kunden anbieten, der diesen Namen auch verdient.
Die Folgen dieser Entwicklung waren leicht abzusehen. Die Umsätze und die Gewinne von ebay gehen zurück. Andere Anbieter, bspw. Amazon graben immer mehr das Wasser ab.

Doch eines ist ebay seit der Gründung immer geblieben: gewinnorientiert. Wenn man es freundlich ausdrücken will.
Und so überrascht die neueste Idee aus dem Hause ebay nur wenig.  Seit gestern gelten neue Bedingungen. Nach denen müssen alle Verkäufer, die weniger als 50 Bewertungspunkte aufweisen können, Paypal als Bezahloption anbieten. Bisher konnten dies die Verkäufer freiwillig anbieten oder auch nicht. Nun wird Paypal zum Zwang.
Der schöne Nebeneffekt für ebay: Den Verkäufern entstehen so durch die Nutzung von Paypal zusätzliche Gebühren von bis zu 3,9 Prozent vom Verkaufspreis.

Schon in der Vergangenheit hat sich Paypal zu einer wichtigen Einnahmequelle für ebay entwickelt. In 2008 setzte man allein mit Paypal 800 Mio. Dollar um. Das entspricht einem Drittel des Gesamtumsatzes.
Das möchte man natürlich noch weiter steigern, auf Kosten der Kunden. Beschwerden über dieses rüde Vorgehen werden wie immer von den ebay-Managern ignoriert. Die Textbaustein-Designer haben wieder alle Hände voll zu tun.
Für private Verkäufer wieder ein Grund mehr, ebay zu meiden und seine Sachen auf anderen Plattformen oder dem guten alten Flohmarkt anzubieten.

Ob ebay damit durchkommt, bleibt abzuwarten, denn das entscheidet auch das Bundeskartellamt. Dies wird sich jetzt mit den neuen Verkaufsbedingungen auseinandersetzen und ebay dazu befragen. Das Kartellamt wird dann prüfen, ob ebay mit der eingeführten Paypal-Pflicht seine Marktposition mißbraucht und ggf. ein formelles Verfahren einleiten.

Quellen: WiWo, heise

Rundfunkkommission plant Zensursula 2.0

Januar 23, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Netz 1 Kommentar →

Kommt nach dem Zugangserschwerungsgesetz jetzt ein neues und noch viel schwerwiegenderes Gesetz?

Man mag es kaum glauben, aber nach dem Hickhack und schlußendlichem Auf-Eis-Legen des Zugangserschwerungsgesetzes, besser bekannt als Internetsperrengesetz aus dem Hause von der Leyen, besser bekannt als Zensursula, laufen jetzt die Planungen für ein Gesetz, das noch tiefer in den freien Internetzugang eingreifen soll, als man sich das bisher vorstellen konnte. Gemeint ist die Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages (JMStV-E).

Ein erster Entwurf der Novellierung läßt schlimmste Vorahnungen wahr werden. So haben die zuständigen Internet-”Experten” in der Rundfunkkommission der Länder doch tatsächlich eine Pflicht zur Alterseinstufung für jeden Inhalt verfügt.
D.h. im Klartext: Jede Internetseite muß eine Alterseinstufung “ab 6 Jahren”, “ab 12 Jahren”, “ab 16 Jahren” oder “ab 18 Jahren” erhalten. Die Internetseiten, die “entwicklungsbeeinträchtigende” Inhalte “ab 16 Jahren” enthalten, dürfen dann auch nur noch zwischen 22 Uhr und 6 Uhr “senden”!
Da hat mal wieder jemand massive Probleme, auch nur die Grundzüge des Internets zu verstehen. Leider sitzen solche Leute an den Schalthebeln der Macht. Man sollte eine Spendenaktion für diese “Experten” starten, damit sie einen VHS-Kurs “Internet for Beginners” besuchen können.

Doch damit nicht genug. Auch für Kommentare, die z.B. hier im Blog abgegeben werden, muß der Blogbetreiber jederzeit nachweisen, daß dieses nicht jugendgefährdend sind oder diese Kommentare ggf. löschen. Sollen diesmal die Blogbetreiber zur Zensurbehörde werden?

Darüberhinaus sollen auch die Internetprovider mit ins Boot der Verantwortung genommen werden. Die müssen dann dafür geradestehen, daß auf ihren Servern, keine Verletzungen des neuen JMStV-E stattfinden. Im Zweifel sollen diese dann entsprechende Inhalte filtern. Womit wir wieder den Zustand von Zensursulas Internetsperrengesetz hätten.

Eine Unterscheidung von Content-, Host- oder Access-Providern findet im Gesetz auch nicht statt. Wahrscheinlich kennen die “Experten” der Rundfunkkommission nicht einmal den Unterschied. Ebenso gibt es keine Differenzierung zwischen privaten und kommerziellen Internetseiten. Jede noch so kleine private Homepage und jeder Blog muß sich ab Inkrafttreten des Gesetzes der Alterklassifizierung unterziehen.

Dieses Machwerk der Rundfunkkommission muß verhindert werden! Sollten die “Experten” damit durchkommen, dann ist sowohl der Internet-Standort Deutschland als auch das Recht der freien Kommunikation für lange Zeit massiv beschädigt. Diesen Eingriff in grundlegenste Bügerrechte könnte dann nur wieder ein langwieriges Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht beseitigen.

Quellen: 1&1, ODEM

achtung Nachtrag (25.01.10): Stellungnahme des AK Zensur zur Novellierung des JMStV.

Datenmeldung an Google

Januar 15, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Netz 2 Kommentare →

Nepper, Schlepper, Bauerfänger. Es gibt sie noch immer im Netz.

Da schneit doch heute ein Fax einer Firma Yellow Publishing Ltd., Manchester ins Haus. Falls das irgendwer mit Gelbe Seiten in Zusammenhang bringt, so war das natürlich von Yellow nicht beabsichtigt ;-)

Daß das Ganze per Fax kommt, ist zum einen natürlich äußerst lächerlich, wenn man doch Internetdienstleistungen anbieten will, zum anderen hofft Yellow aberwohl, so an die Leute ranzukommen, denen das Internet noch total suspekt ist und deshalb keine Mail-Adresse haben.

Doch nun zum Inhalt des Fax und damit dem eigentlich Ärgerlichen.
Yellow ist sich doch tatsächlich nicht zu blöd, eine “Datenmeldung an www.google.de” anzubieten. Dazu soll das Opfer auf dem Rückfax seine kompletten Firmendaten und die gewünschten Suchbegriffe angeben.
Yellow wird dann versuchen, “diese Daten an Google weiterzugeben”. Ob die Daten auch wirklich bei Google ankommen oder ob Google diese dann auch in ihre Suchergebnisse übernimmt, dafür will Yellow nicht garantieren. Wie auch?

Was Yellow aber garantieren kann, ist, daß einem sehr viel Geld aus der Tasche gezogen wird. Im Kleingedruckten findet man die Preise für die Dienstleistung von Yellow: 85 EUR pro Monat, für 1 Jahr im Voraus. Das macht insgesamt 1.020 EUR für Nichts.
Und sollte man nicht einen Monat vor Ablauf der Vertragsdauer schriftlich gekündigt haben, verlängert sich der Vertrag um ein weiteres Jahr.

Schon sehr dreist. Sollte tatsächlich auf diesen Müll hereingefallen sein, hat er wahrscheinlich gute Chancen, wieder aus dem Vertrag herauszukommen. Da die Preisangaben nur im Kleingedruckten aufgeführt und damit leicht zu übersehen sind, dürfte man vor Gericht gute Karten haben.
Das weiß auch Yellow und führt daher Manchester als Gerichtsstand auf. D.h. man müßte sich bei einem Prozeß erstmal um den Gerichtsstand streiten. Da ist besser und vorallem billiger, diesen Müll gleich zu entsorgen.

Hier das Fax:

yellow-google

Fax von Yellow Ltd.

AOL: Ähh, bin ich noch drin?

Januar 12, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Netz Noch keine Kommentare →

AOL schließt nach 15 Jahren seine Büros in Deutschland.

Wer kennt ihn nicht, den Werbespot mit Boris Becker, in dem dieser mit seiner zum Glück unnachahmlichen naiven Art nach der Installation der AOL-Software fragte: “Ähh, bin ich schon drin?”.

Nun allerdings dürfte sich Boris wieder draußen wähnen, denn AOL macht die Schotten dicht. Zumindest in Deutschland, Spanien und Schweden. In Europa werden nur die Büros in Dublin und London überleben. Allein in Deutschland wird das 140 Arbeitsplätze kosten. Im  AOL-Stammland USA werden 500 Stellen wegfallen. Insgesamt wird AOL 2.500 Stellen streichen. Nur der Unternehmenszweig Adtech soll unangetastet bleiben.
Durch dieses Gesundschrumpfen versucht man quasi als letzten Strohhalm, wieder in schwarze Zahlen zu kommen.

aol

Ach was waren das noch für Zeiten, als in jeder aber auch wirklich jeder Zeitschrift, die auch nur ansatzweise C.o.m.p.u.t.e.r buchstabieren konnte, eine der CDs mit der Software für den AOL-Zugang steckte. Und wer keine Zeitschrift abonniert hatte oder vom dem AOL glaubte, daß er keine Zeitschrift in die Hände bekam (und das war damit praktisch JEDER) wurde per Post mit der AOL-Software-CD regelrecht bombadiert, so daß es schon Aufrufe gab, dieser Umweltverschmutzung durch AOL-CDs ein Ende zu bereiten.
Aber auch die Software selbst hatte es in sich. Vorallem, wenn man sie wieder loswerden wollte. Das System war meist dermaßen hoffnungslos durch die AOL-Software “verseucht”, daß nur eine komplette Neuinstallation als Ausweg blieb.

Interessant war es auch, die immer größer werden Zahlen zu beobachten, die für die kostenfreie Testzeit stehen sollten und unübersehbar auf der CD-Hülle prangten. Waren da zuerst nur mickrige 10 Stunden frei, steigerte sich die Zahl über 100 Stunden auf zuletzt gigantische 650 Stunden freien Zugang zu AOL. Zumindest theoretisch, denn man mußte schon das Kleingedruckte sehr genau studieren, um zu erkennen, daß es nichts war mit 650 Stunden am Stück frei surfen. Und u.U. mußte man dann noch die Telefongebühren für Dauer der Einwahl abdrücken. Das waren Zustände, die man sich heute in Zeiten von Flatrates und DSL nicht mehr vorstellen kann und will.

Nun ist AOL nach 15 Jahren am Ende. Ruhe sanft und nimm ebay am besten gleich mit auf die Reise.

Quelle: Internet World

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