Artikel der Kategorie ‘Medien’:

Fußball-WM: Das Summen im Wespennest

Juni 11, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Medien 1 Kommentar →

Dauergetröte statt Fangesänge.

Fernsehschauer in aller Welt, hauptsächlich in Europa und Nordamerika sind schwer genervt vom Dauergetröte aus tausenden Vuvuzelas.

Der Lärm in den Stadien bei der Fußball-WM in Südafrika gleicht dem Summen eines Wespenschwarms im Angriff auf sein Opfer. In diesem Fall sind allerdings die Trommelfelle der ausländischen Gäste und die der Fernsehzuschauer weltweit die Opfer. Und wäre die Lautstärke nicht schon belastend genug, so gibt der Dauerton durch seine Schwankungsfreiheit jedem Zuschauer letztendlich den Rest. Das Summen hat praktisch während des kompletten Spiels die gleiche extreme Lautstärke und Tonlage. Emotionen? Fehlanzeige.

Fanfreude kommt so nicht auf. Und ihre Funktion als “12. Mann auf dem Platz” können die angereisten Fans so auch nicht wahrnehmen. Der Dauerlärm der Vuvuzelas verhindert das praktisch unausweichlich.

Während der jetzt laufenden Weltmeisterschaft wird man die Liebe der südafrikanischen Zuschauer zu ihrer Tröte  wohl nicht mehr ändern können. Und auch das bereits vor den Spielen kurzzeitig durch die Fifa angedachte Verbot der Vuvuzelas in den Stadien, wurde schnell wieder fallen gelassen, weil sich die Südafrikaner dadurch in ihrer Kultur diskriminiert fühlten.
Wenn also schon die Zuschauer vor Ort mit dem nervigen Dauerlärm ohne erkennbare Emotionen leben und so ihr Gehör gefährden müssen, so müßte es doch für die TV-Anstalten kein großes Ding sein, diesen Dauerton der Vuvuzelas technisch aus der Übertragung ganz herausfiltern oder doch zumindest zu dämpfen. Oder?
Sollten die Sender, allen voran die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, dazu nicht in der Lage sein, so können sie jetzt schon ihre Träume von der Wiederholung der Supereinschaltquoten aus dem Jahre 2006 begraben. Diesen Lärm von tausenden Killerwespen in ihrem Nest werden sich viele Fernsehzuschauer nur bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft und bei den wichtigen Entscheidungsspielen in Finalspielen antun wollen.

(Artikel enthält Partnerlinks)

Unfähig, dilettantisch, NDR

Mai 31, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Medien 3 Kommentare →

Die Sondersendung zur Landung von Lena Meyer-Landrut am gestrigen Sonntag zeigte den NDR von seiner komplett dilettantischen Seite.

Wer mal wieder erleben wollte, wie die Rundfunkgebühr sinnlos verbrannt wird, der war gestern beim NDR richtig. Nun kann man streiten, wie wichtig es ist, die Landung einer Siegerin eines Gesangscontests live zu übetragen. Doch wenn Deutschland zur Abwechslung mal Sieger feiern kann, dann sollten die Medien auch ihrer Aufgabe gerecht werden. Nach der Fußball-WM wird man sicherlich nichts zu übertragen haben.

Lena Meyer-Landrut, die am Samstag abend den Eurovision Song Contest gewonnen hat, stammt aus Hannover und es gab schon ein gewisses Interesse von Fans und Schaulustigen, die Ankunft in ihrer Heimatstadt und die nachfolgenden Ereignisse live im TV zu zeigen. Hannover ist die Landeshauptstadt von Niedersachsen und ist somit in NDR-Hand.
Die Programmverantwortlichen des NDR schalteten denn auch einigermaßen schnell und entschlossen sich zur Programmänderung. Am Sonntag ab 15 Uhr sollte die Live-Übertragung starten. Was dann kam, ist mit Dilettantismus nur unzureichend umschrieben.

Was will man als Zuschauer bei so einem Ereignis sehen?

  1. Die Landung des Flugzeugs
  2. Die zum Terminal rollende Maschine, gerne mit Pilot, der Schwarz-Rot-Gold aus dem Cockpitfenster schwenkt
  3. Das Verlassen des Flugzeugs
  4. Die Begrüßung auf dem Rollfeld
  5. Die Ansprache an die Fans
  6. Die Fahrt im Autocorso durch Hannover
  7. Die Ankuft am Rathaus
  8. Die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt
  9. Der Auftritt vor den wartenden Fans am Rathaus

Soweit so einfach. Diesen Programmablauf sollte jeder Regieassistent in Ausbildung hinlegen können. Doch was machte die ARD bzw. der NDR daraus?

  • Die Sondersendung lief gleichzeit im Ersten und auf dem 3. Programm des NDR
  • Den NDR-Mitarbeitern war es unmöglich, die genaue Landezeit der Lufthansa-Maschine ermitteln. Ein Blick auf die Ankunfttafel (gibt es auch online) des Airports Hannover hätte genügt.
  • Da man die genaue Landezeit nicht kannte, schaltete der NDR zum Zeittotschlagen immer wieder zum Rathaus, was meistens jedoch wegen technischer Schwierigkeiten nicht gelang, und sendete Konserven von Lenas Auftritt beim Finale des ESC in Wiederholung.
  • Dadurch verpasste man die Landung.
  • Bei der nächsten Schaltung zum Flughafen stand die Maschine bereits am Finger des Terminals.
    Wer den Airport Hannover kennt, weiß, daß allein beim Rollen nach der Landung bis zum Andocken am Terminal einige Minuten vergehen, in denen man locker Zeit gehabt hätte, zum Flughafen zu schalten. Beim NDR schlief man seelenruhig.
  • Das Aussteigen und die Begrüßung durch den sich ranschleimenden Ministerpräsidenten Wulff und Lenas Worte an die wartenden Menschen wurden wieder live übertragen.
  • Das Erste der ARD  sprang um 15:47 Uhr ohne weiteren Kommentar aus der Übertragung, um eine “wichtige” Tagesschau zu senden, die das gerade Gesehene einfach nochmal sendete. Danach ging es normal weiter im Programm. Das kennt man bspw. von DTM-Übertragungen der ARD, bei denen gern mal “vergessen” wird, die Siegerehrung zu zeigen. Einen Hinweis darauf, daß die Live-Übertragung im NDR weitergeht, bekam der Zuschauer im Ersten auch nicht. Dabei wird auch die Tagesschau vom NDR produziert.
  • Der NDR zeigte noch einige Minuten weiter das Geschehen am Flughafen. Und beendete dann die Übertragung.

Die Abfahrt vom Flughafen, der Autocorso durch die Stadt, die Ankuft am Rathaus alles nicht mehr wichtig für den NDR. Das konnte man später am Nachmittag dann auf anderen Kanälen sehen.

Der ganze Nährwert der Liveübertragung bestand also in der Übertragung des Aussteigens aus dem Flugzeug und dem Ranschleimen vom Ministerpräsident Christian Wulff, der ja schon immer wußte, daß Lena gewinnen wird. Die Live-Schaltungen vom Studio zum rund 1km entfernten Rathaus gingen in der Mehrzahl schief. Mehr als das fragende Gesicht des Reporters vor Ort bekam man nicht zu sehen oder zu hören. Auch die Schaltungen zum Flughafen waren durch Chaos gekennzeichnet. Offenbar war die Sendung mit so heißer Nadel gestrickt, daß weder die Leute Vor-Ort noch die Studio-Besatzungen überhaupt eine leise Ahnung vom Programmablauf hatten. Dabei war der Sieg in Oslo schon über 15 Stunden her und man hätte genug Zeit gehabt, sich anständig vorzubereiten. Schade um das Geld von allen Zwangs-PayTV-Zuschauern, das für diese 1 Stunde Liveübertragung des NDR verballert wurde.

Es verwundert im Nachhinein nicht, warum die Kandidatensuche und die Teilnahme am ESC in den letzten Jahren so verliefen, wie sie verliefen, nämlich katastrophal. Da mußten erst Raab und Pro7 kommen und dem NDR unter die Arme greifen, damit dieses Trauerspiel ein Ende hat.

Man darf nun gespannt sein, wer sich alles für den Sieg von Lena auf die Schulter klopfen wird und wer jetzt das große Geld wittert. Um den Austragungsort des ESC-Finale im kommenden Jahr in Deutschland hat das Hauen und Stechen ja schon begonnen. Auch die Ankündigung von Stefan Raab, daß Lena im nächsten Jahr nochmal antreten und so ihren Titel verteidigen soll, hat schon zu Verstimmungen geführt. Das ZDF schnitt diese Passage aus der internationalen Pressekonferenz in Oslo einfach aus der Berichterstattung heraus. Und plötzlich melden sich die unterschiedlichsten und bisher zurecht im Verborgenen gebliebenen Programmdirektoren der ARD zu Wort und bestehen auf eine Castingshow auch in 2011.
Schon interessant wie es sich das Sprichwort wiedereinmal bewahrheitet: “Der Erfolg hat viele Väter. Die Niederlage ist ein Waisenkind.”

———–

P.S. Die Stadt Hannover war übrigens um einiges flexibler als der NDR und benannte sich kurzerhand um:

hannover-homepage

Homepage der LENA-CITY HANNOVER

Eurovision Song Contest 2010

Mai 29, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Medien 5 Kommentare →

Das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) findet heute Abend in Oslo statt.

Für Deutschland startet die 18-jährige Lena Meyer-Landrut mit dem Song “Satellit”.

esc-logo In der Castingshow “Unser Star für Oslo” wurde sie entdeckt und vom Fernsehpublikum zur Siegerin gekührt. Danach wurde unter sie unter die Fittiche von Produzent Stefan Raab genommen, der selbst schon am Grand Prix teilgenommen und sich achtbar geschlagen hat.

Der Hype, der nach dem Ende der Castingshow in Deutschland ausbrach, stellte alles bisher dagewesene in den Schatten. Selbst die Auswüchse, die einst ein gewisser Gildo Horn, auch er wurde von Raab produziert, mit seiner Teilnahme am ESC auslöste, verblassen gegen die momentan herrschende Lenamania. Den minutiös ausgearbeiteten Marketingplan, mit dem Brainpool und Raab die Siegerin in den deutschen Musikmarkt und in die Köpfe der Konsumenten drücken wollten, hätte man sich getrost sparen können. Man liebte Lena von ganz allein. Am Ende allerdings ging die Omnipräsens von Lena in komplett allen Medien von Funk, Fernsehen, Internet und Holzpresse einigen schon wieder auf die Nerven.

Heute nun wird sich zeigen, ob die Erwartungshaltung, daß Lena mit ihrem Song locker gewinnenwird, berechtigt ist oder ob es wieder nur heißen wird: “Germany zero points.” So wie bei allen Stars und Sternchen, die in den letzten Jahren für Deutschland beim ESC  angetreten sind. Im eigenen Land einigermaßen beliebt und in die Favoritenrolle gedrängt, gingen sie im europäischen Vergleich sang- und klanglos unter. Meist landete der deutsche Beitrag abgeschlagen im hinteren Feld, wenn nicht gar auf dem letzten oder vorletzten Platz.

Auch für heute Abend ist die Erwartungshaltung in Deutschland ganz klar:

Lena muß Erste werden. Oder besser!

Das kann eigentlich nur schief gehen. In wenigen Stunden werden alle schlauer sein.

Übertragen wird das Spektakel rund um den European Song Contest in der ARD ab 18:45 Uhr mit dem Porträt “Lena - Unser Star in Oslo”. Ab 20:15 Uhr überträgt das Erste dann den “ESC 2010 Countdown” live von der Reeperbahn in Hamburg. Und dann wird es ernst für Lena und das Team um Stefan Raab: Um 21 Uhr beginnt die Liveübertragung der ESC-Finalshow in Oslo. Gegen 0:00 Uhr wird man dann endlich wissen, wer Sieger des Eurovision Song Contest 2010 geworden ist.

————————-

achtung Update: Das Unglaubliche ist tatsächlich eingetreten. Lena hat mit 246 (!) Punkten vor der Türkei (170 Punkte) mit riesigem Abstand gewonnen.

Herzlichen Glückwunsch.

Nach 1982 und dem Titel “Ein bisschen Frieden”, gesungen von Nicole und produziert von Ralf Siegel, hat es Deutschland nun endlich wieder geschafft, einen Eurovision Song Contest zu gewinnen.

Pharma-Lobbyist sagt die Wahrheit

Mai 21, 2010 Von: Beobachter Kategorie: Medien Noch keine Kommentare →

Ein Pharma-Lobbyist sagt in einem Interview zur Abwechslung mal die ungeschminkte Wahrheit. Doch eigentlich sollte das nie gesendet werden.

Die ZDF-Satiresendung “heute-show” hat ihren Reporter Martin Sonneborn (früher Chefredakteur beim Satiremagazin Titanic) zu einem der “wichtigsten Pharma-Lobbyisten des Landes” geschickt, um dessen Meinung zu Nachahmerprodukten und die daraus resultierenden sinkenden Preise zu erfragen.

Das Ergebnis des Interview-Versuchs mit Pro-Generika-Funktionär Peter Schmidt sah dann so aus:


Quelle: YouTube

Erfrischend ehrlich gibt der Pharma-Lobbyist Schmidt also zu, daß zum einen die Arzneien erschreckend einfach herzustellen und zum anderen die Nachahmertabletten genau so gut wie die Originale sind. Nur eben viel günstiger im Preis für den Patienten. Die Preispolitik der Pharma-Riesen ist also selbst in den Augen ihrer Unterstützer -gelinde ausgedrückt- überzogen.

Gesendet werden sollten diese Erkenntnisse natürlich nicht. Doch Sonneborn und die “heute show” taten es trotzdem. Schmidt sieht sich deshalb hintergangen und beschwert sich bei höchster Stelle des ZDF. Und der Sender reagiert auftragsbezogen.
Kein Geringerer als ZDF-Programmchef Thomas Bellut sah sich bemüßigt, das “heute show”-Team zu kritisieren und ihnen zu verbieten, in Zukunft mit den Marken “heute” oder “heute journal” zu arbeiten. Sonneborn hatte den Pharma-Lobbyist Schmidt um ein Interview für das ZDF gebeten und eine Ausstrahlung in einer der “heute”-Sendungen in Aussicht gestellt. Womit er ja Recht hatte, das Interview lief schließlich in der “heute-show”.

Quellen: SpOn, DWDL

Seiten: « 1 ...5 6 7 8 9 ...26 »

    E-Book:


    E-Books

    Tipps für Verbraucher:

    Anzeige



    Werbung im Blog schalten


    Hier werben