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FKK: Die AfD zieht blank.

Warum sich die AfD jetzt um FKK-Anhänger kümmert.

Transparenz ist ein hohes Gut in der Politik, schließlich hält man Politiker und Parteien, die nicht zu verstecken haben, für ehrlicher, glaubhafter und damit wählbarer. Das alles hat jedoch nichts mit der AfD zu tun. Die zieht nur geistig blank und versucht – wie könnte es anders sein – mit Stimmungsmache gegen Flüchtlinge Wählerstimmen einzufangen.

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FKK-Verein

Der FKK Verein „Familiensport- und FKK-Bund, Waldteichfreunde Moritzburg e. V.“ existiert seit 1905. Der Campingplatz in Radeburg, Ortsteil Volkersdorf (ganz in der Nähe der sächsischen Landeshauptstadt Dresden), der vom Verein genutzt wird, ist auch über die Landesgrenzen Sachsens bei den Anhängern der Freikörperkultur bekannt und erfreut sich großer Beliebtheit. Aus Nah und Fern kommen die Gäste, um nackt zu campen, zu sonnen, zu entspannen und die körperliche Freiheit zu genießen.

Nackt baden

Nackt baden

Nacktverbot

Von allzu fern dürfen die Menschen aber nicht kommen, wenn es nach der AfD geht. Denn die AfD hat offenbar ihr Herz für Nacktbader entdeckt.

Unterstützt wird sie dabei tatkräftig vom Landkreis Meißen, wenn auch unfreiwillig. Dessen Landrat Arndt Steinbach (CDU) kommt wie so viele Amtsträger in den neuen Bundesländern nicht aus der Gegend. Geboren wurde Steinbach im baden-württembergischen Tauberbischofsheim, einem Ort, in dem man Nacktbaden sicherlich nur vom Blättern in einschlägigen Zeitschriften in der hintersten Ecke des Bahnhofskiosk kennt.

Deshalb verwundert es nicht, auf welche Idee der Landkreis Meißen kam, als in der Nachbarschaft des Vereinsgeländes des FKK-Vereins Moritzburg eine Unterkunft für Flüchtlinge eingerichtet werden sollte. Der Verein bekam ein Paket vom Landkreis, dessen Inhalt den Vereinsmitgliedern die Röte ins Gesicht trieb. Aber nicht aus Scham, sondern aus Wut.

In dem Paket befanden sich laminierte Hinweisschilder, auf denen in deutscher, albanischer, arabischer und persischer Sprache folgender Punkt stand:

Die Benutzung des Schwimmbades ist nur in Badebekleidung erlaubt.

Für die FKK-Anhänger natürlich ein Unding. Der Landkreis Meißen wollte ihnen doch tatsächlich das „Frei“ von der Freikörperkultur verbieten. Sie sollten künftig nur mit Badesachen baden dürfen.
Natürlich weigerten sie sich, diese neue Regel einzuhalten. Stattdessen forderten sie die Errichtung eines Sichtschutzzaunes zwischen ihrem Gelände und der Flüchtlingsunterkunft.

AfD zieht blank

In dieser Situation kommt die AfD auf den Plan und kämpft für die Nackten. Mit großen Plakaten machen sie sich für die FKK Anhänger stark. Darauf steht zu lesen:

Kein Nacktbade-Verbot neben Asylbewerberheim – FKK in Sachsen erhalten.

„Sollten die Mitglieder des FKK-Vereins gezwungen werden, sich anzuziehen, dann wäre dies ein weiterer Beweis für die kulturelle Unterwürfigkeit der politisch Handelnden“, so die AfD.

In dem Punkt hat die AfD sogar ein wenig Recht. Doch anders als sie behauptet, wäre dies nicht eine kulturelle Unterwürfigkeit gegenüber der Kultur der Flüchtlinge, sondern gegenüber des kulturellen Horizonts des Meißener Landrates.

An diesem Beispiel wird wieder einmal sehr deutlich, daß die eine „deutsche Leitkultur“ nicht gibt und nicht geben kann. Dafür sind die kulturellen Prägungen innerhalb Deutschlands zu unterschiedlich.

Ende der Geschichte

Der FKK-Verein bekommt nun doch den Sichtschutzzaun mit daran befestigten Hinweisschildern, die den Flüchtlingen die dort geltenden besonderen Baderegeln erklären. Ansonsten will man im Landratsamt Meißen nichts mehr von der Geschichte hören und kann gar nicht verstehen, warum es überhaupt zu der großen Erregung gekommen ist.


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2 Kommentare

  1. FKK-Verein: Bei einer gründlicheren Recherche wäre dieser Irrtum nicht passiert. Nicht der Landkreis Meißen hat die Baderegeln an den FKK-Verein in Volkersdorf gesandt, sondern der Landtagsabgeordnete Sebastian Fischer. Wir werden dem Verein weder das Nacktbaden verbieten, noch fordern, sich nicht unbekleidet am Ufer aufzuhalten. Mit Respekt und Toleranz wird sich auch dieser zunächst nur gefühlte Konflikt lösen lassen. Aktuell werden zudem in diese neue Unterkunft keine Flüchtlinge einziehen, weil sich die Zahl drastisch reduziert hat.

  2. Sehr gut, daß der Landkreis auf Respekt und Toleranz setzt. Umso schlimmer, daß selbst gebürtige Sachsen, wie Herr Fischer von CDU einer ist, es mit der Freiheit nicht so wörtlich nehmen wollen.

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