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Fakten zur Flüchtlingsbewegung aus Syrien

Wie der Libanon hilft und warum es in Europa keine „Flüchtlingskrise“ gibt.

Europa hat versagt. Dieses Fazit kann man unumwunden ziehen. Die hochgesteckten Ziele der europäischen Idee von Menschlichkeit, Freiheit, Einheit, Brüderlichkeit und Gleichheit bleiben bislang nur Wunschvorstellungen. Der Umgang mit den Flüchtlingen hat diese bittere Erkenntnis offen zutage treten lassen.

Europa der Eigeninteressen

Europa wurde als gigantische Geldverteilungsmaschine gegründet und in diesem Zustand befindet es sich noch immer. Was als Montanunion und Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) begann, hauptsächlich um die europäischen Bauern und die Kohle- und Stahlproduzenten wirtschaftlich zu unterstützen, zog sich über die Europäische Gemeinschaft (EG) hin bis zur Europäischen Union EU, mit dem Vertrag von Maastricht.
Zwar machten immer mehr Länder bei diesem Europa mit, besonders nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, doch es ging ihnen dabei immer nur um wirtschaftliche Interessen für das eigene Land. Eine tatsächliche Union aller Länder wurde vehement abgelehnt. Jeder kocht weiterhin sein Süppchen und versucht soviel wie möglich aus den Töpfen der EU abzugreifen.

Flüchtlinge

Als sich im Sommer des letzten Jahres verstärkt Flüchtlinge aus Syrien aufmachten, um in Europa Schutz zu suchen, brach das fragile Konstrukt vom „einigen Europa“ sehr schnell in sich zusammen.

Jahrelang hatte Europa weggesehen beim Krieg in Syrien. Mehr noch, man verdiente gut daran, alle Kriegsparteien mit reichlich Waffen zu beliefern. Daß die Menschen aus Syrien fliehen mußten aus Angst um Leib und Leben, davor verschloß Europa aber die Augen. Die Europäischen Werte, für die man sich noch im Jahr 2012 den Friedensnobelpreis überreichen ließ, weil man so toll zur Entwicklung von Frieden und Versöhnung, Demokratie und Menschenrechten beitrug, erwiesen sich als Mogelpackung. Europa zog Stacheldrahtzäune an seinen Grenzen hoch. Sollen sich doch andere Länder um die flüchtenden Menschen kümmern.

Und andere Länder kümmern sich tatsächlich. Allein im Libanon wurden von den 12 Millionen Syrern, die sich auf der Flucht befinden, mehr als 1 Million aufgenommen. Damit hat der Libanon – gemessen an seiner Einwohnerzahl von nur 4 Millionen – weltweit am meisten Flüchtlinge aufgenommen. Nicht weil man das besonders erstrebenswert fand, sondern weil es notwendig und ganz einfach menschlich ist, den Syrern in ihrer Not zu helfen.

Lage im Libanon

In zahlreichen Lagern, u.a. in der Bekaa-Ebene, sind die meisten Flüchtlinge im Libanon untergekommen. Trotz der Bemühungen der libanesischen Bevölkerung aber auch der Hilfe aus dem Ausland herrscht ein großer Mangel an Lebensmitteln, an Wohnraum, an Schuleinrichtungen und vielem mehr.

Viele internationale Organisationen versuchen die Lage vor Ort zu verbessern. Deutschland gehört dabei zu den größten Geldgebern. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) hat mehrere Initiativen gestartet, die die Fluchtursachen bekämpfen und Flüchtlinge unterstützen sollen. So wurde bspw. auch mit deutscher Hilfe erreicht, daß 147.000 Flüchtlingskinder im Libanon eine Schule besuchen können.

Doch die Lage in den Lagern, in denen die Flüchtlinge zum Teil seit Jahren leben, ist immer noch katastrophal. Zwar versucht die einheimische Bevölkerung zu helfen, doch es bleibt eine große Belastung, die allein kaum zu bewältigen ist. Spezielle Infrastrutur-Maßnahmen, wie die United Nations Development Programme (UNDP), sollen deshalb dafür sorgen, daß u.a Straßen und Wasserspeicher gebaut werden. Davon haben am Ende alle etwas, die libanesische Bevölkerung und die Flüchtlinge.

Der Schauspieler Tom Wlaschiha hat sich die Lage im Libanon einmal direkt vor Ort angesehen und dabei das folgende Video gemacht.

Quelle: YouTube/BMZ

„Flüchtlingskrise“

Der Libanon hilft wo er kann und mit Unterstützung von außen, kann es auch gelingen, die Lage für die syrischen Flüchtlinge einigermaßen erträglich zu machen und ihnen so etwas wie eine Zukunft zu garantieren. Doch ewig kann es nicht so weitergehen. Es muß eine Lösung für den Konflikt in Syrien gefunden werden. Der Krieg muß beendet werden, besser heute als morgen, sonst entwickelt sich im politisch instabilen Libanon der nächste Krisenherd. Dann gibt es wirklich eine Flüchtlingskrise.

Europa hätte im Ringen um Frieden in Syrien eine wichtige Stütze sein können, wenn man sich wirklich einig gewesen wäre und nach außen und innen mit einer Stimme gesprochen hätte. Dann hätte man der Rolle als Friedensnobelpreisträger gerecht werden können. Für Menschlichkeit und Nächstenliebe.
Stattdessen mauert man sich ein vor der „Flut der Flüchtlinge“. Dabei haben sich nur 5 Prozent der syrischen Flüchtlinge überhaupt auf den Weg nach Europa gemacht. Deshalb von einer „Flüchtlingskrise“ oder „Flut“ zu sprechen, wie dies allenthalben von europäischen, auch deutschen Politikern und Medien immer wieder gemacht wird, ist völlig falsch und führt dazu, Ressentiments gegen Flüchtlinge und Migranten zu schüren.

Europa hat in der Frage der Flüchtlinge versagt und wird daran eines Tages vielleicht komplett zerbrechen.

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