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25 Jahre Deutsche Einheit?

Da ist vieles noch nicht zusammengewachsen, was zusammen gehört.

Am 03. Oktober 2015 ist der 25. Jahrestag der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Und so werden mal wieder die Deutsche Einheit und das Gelingen des Zusammenwachsens von Ost und West in zahlreichen Festen und offiziellen Staatsakten gefeiert. Das ist die offizielle Version.

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Keine Wiedervereinigung

Doch so ganz entspricht die zelebrierte Jubelstimmung nicht den Tatsachen. Nicht wenige sind der Meinung, daß die Wiedervereinigung gar keine war, sondern ein Betritt der DDR zur BRD.
Da wurden nicht zwei Staaten vereinigt zu einem neuen, bei dem man möglichst das Gute und Erhaltenswerte aus beiden Systemen übernimmt. Nein, die DDR wurde vom Westen geschluckt und übernommen wurde zunächst erst einmal gar nichts.

Für die Menschen im Westen ging alles seinen gewohnten Gang weiter, während für die Menschen im Osten von heute auf morgen alles anders wurde. Mit der Einführung der D-Mark, was jedoch schon am 01. Juli 1990 stattfand, hörte die DDR praktisch auf zu existieren. Der Westen und dessen ungezügelte Marktwirtschaft bestimmten nun, wo es in der völkerrechtlich noch existierenden Deutschen Demokratischen Republik lang ging. Darunter leiden die neuen Bundesländer noch heute.

03. Oktober

Außerdem wird von vielen Menschen der 03. Oktober nicht als wichtiges historisches Datum empfunden. Die wichtigen Daten sind der 09. November 1989, der Tag der Öffnung der Mauer, der 18. März 1990, der Tag der ersten freien Wahl zur Volkskammer, und der 17. Juni 1953, der Tag des Widerstands. Einer dieser Tage hätte es eher verdient, zum neuen Nationalfeiertag erklärt zu werden. Wobei der 09. November aus historischen Gründen allerdings eher ungeeignet ist.

Der 03. Oktober 1990 war ein reiner Verwaltungsakt, ausgedacht von Bonner Beamten ohne Bezug zur Geschichte und ohne Gespür für das Empfinden der Menschen in Ost und West. Dieser Tag paßte damals halt terminlich ganz gut, das war es auch schon. Mehr Tiefgang kann man diesem Datum nicht attestieren. Darunter leidet ganz Deutschland bis heute.

Zusammenwachsen von Ost und West

Wer eine Ahnung zum gegenwärtigen Stand des Zusammenwachsens von Ost und West bekommen möchte will, sollte sich einmal mit diesem Artikel des „Höchster Kreisblatt“ beschäftigen. Man beachte das Erscheinungsdatum 30.09.2015!

Aus diesem Artikel kann man sehr gut ablesen, daß die Vereinigung als solche in der Provinz und vor allem in der Köpfen der Menschen dieser Regionen keinesfalls angekommen ist. Noch immer denkt man bei „Deutschland“ nur an den alten Westteil des Landes, der halt ein wenig in Richtung Osten erweitert wurde. Quasi ein Landzuwachs hinter der Elbe, mehr nicht.

Deutsche Einheit?

Auffallend häufig und selbstverständlich wird in dem Artikel von „Ostdeutschland“ und der „ehemaligen DDR“ gesprochen, als wäre das tatsächlich ein eigenständiges Gebilde. Und man feiert sich nachträglich für die eigene Großzügigkeit als man den armen Menschen im Osten im November 1992 gnädigerweise einen „ausrangierten Einsatzleitwagen“ für deren Feuerwehr überließ. Offensichtlich eine frühe Version der Abwrackprämie.

Zum krönenden Abschluß kommt man zu dem Fazit:

Als sich die deutsche Einigung stärker vollzogen hatte, war ein Weg der Versöhnung nicht mehr notwendig.
Zwischen Ost- und Westdeutschland hat sich eine Normalität eingestellt, die eine Partnerschaft überflüssig macht.

So der zitierte CDU-Chef der Stadt Flörsheim. Ein wahrhaftig niederschmetterndes Fazit zur Deutschen Einheit. Und das von einer Partei, die das Ziel Deutsche Einheit auf Parteitagen und bei Schönwetterreden immer groß vor sich hergetragen hat.

Fazit

Die Deutsche Einheit ist noch lange nicht vollendet. Erst, wenn in den Köpfen kein Ostdeutschland mehr herumgeistert und Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr den Status des irgendwie Besonderen haben, dann ist die innere Einheit geschafft. Doch dazu wird es wohl noch einiger Generationen benötigen. Vielleicht wird dieses Ziel auch nie wirklich erreicht.

Wer hätte das in der Jubelstimmung am 09. November 1989 und am 03. Oktober 1990 vor dem Reichstag in Berlin vorausgesagt?

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