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Pofalla: Der gelebte Witz

Postillion vs. Medien oder wie weit hat die Medienglaubwürdigkeit bereits gelitten?

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Ronald Pofalla, der personelle Totalausfall im Kanzleramt, der als der für die Geheimdienste zuständige Minister in der NSA-Affäre zusammen mit Innenminister Friedrich ein erbärmliches Bild abgab und damit Deutschland zum Gespött machte, vielmehr aber noch unser aller Sicherheit riskierte, wurde mit Bildung der großen Koalition aus Union und SPD in die Wüste geschickt.
Auch Friedrich wurde vom Amt des Innenministers entfernt und im Landwirtschaftsministerium geparkt. Hier kann er sich um Rindviecher kümmern und viel weniger Schaden anrichten als im Innenministerium. Um auch ganz sicher zugehen, wurde das Ressort „Verbraucherschutz“ aus dem Landwirtschaftsministerium ins Justizministerium verlagert. So kann Friedrich weiter seiner hochdotierten Pension entgegen dämmern, ohne uns alle zu gefährden.

Groko sorgt für hochdotierte Pöstchen

Für Pofalla wurde ebenfalls eine lukrative Anschlußverwendung organisiert. Er soll neuer Vorstand der Deutschen Bahn AG werden. So lauteten die Meldungen gestern. Daß ausgerechnet die Bahn, die immer noch dabei ist, sich von den Auswirkungen eines gewissen Herrn Mehdorn, der heute wiederum den Berliner Pannenflughafen BER mit seinen Fähigkeiten beglückt, zu erholen und endlich wieder einen sicheren, verläßlichen und lukrativen Bahnbetrieb zu gewährleisten, einen geschaßten Politiker wie Pofalla durchfüttern soll, kann man mit gesundem Menschenverstand nicht erklären. Man kann nur hoffen, daß Pofalla seinen Bahn-Vorstandsposten mit ebensolchem Elan verfolgt, wie er die NSA-Affäre gemeistert hat. Pofalla war während der Hochzeit der Krise erst einmal in den Urlaub gefahren und deshalb für niemanden zu erreichen. Und dann erklärte er die Affäre einfach für beendet.
Daß Pofalla wirklich Entscheidungen im bei der Bahn neugeschaffenen Ressort für die langfristige Unternehmensstrategie fällt und die Mitarbeiter gezwungen sind, diese tatsächlich umzusetzen, will man weder den Mitarbeitern noch den Bahn-Kunden wünschen.

Die verlorene Glaubwürdigkeit

Doch wäre die Berufung Pofallas nicht schon lächerlich genug, setzte das Satire-Blog „Der Postillion“ dem Ganzen noch die Krone auf. Das Blog übernahm die Meldung zum Postengeschachere und datierte den Veröffentlichungszeitpunkt auf den 01.01.2014 zurück. Darüber hinaus setzte der Verfasser unter den Artikel den Hinweis: „Update Donnerstag, 17:01 Uhr: Inzwischen berichten auch zahlreiche andere Medien.“ So entstand bei einigen Lesern, der Eindruck, daß die Meldung um Pofallas finanzielles Ruhekissen bei der Bahn eine Ente sei, die unbesehen von anderen Medien übernommen wurde. Ein Sturm der Entrüstung über die unfähigen Medien brach los. Dabei ist die Berufung Pofallas zwar ein Witz, die Meldung aber echt.

Dieser Sturm im Wasserglas zeigt allerdings, wieweit die Glaubwürdigkeit der zahlreichen Medien, sei es Fernsehen, Tageszeitungen oder Magazine und deren Online-Ableger, bereits gelitten hat. Der Leser ist es mittlerweile gewohnt, daß die Redaktionen einfach zahlreiche Agenturmeldungen verarbeiten und dieser einheitliche Meldungsbrei bereits einen großen Teil der Tageszeitungen einnimmt. Selbst recherchierte Storys zählen in vielen Zeitungen mittlerweile zu den Ausnahmen. Auch ist es der Leser gewohnt, daß Redakteure hemmungslos von einander abschreiben und so Falschmeldungen schnell die Runde machen.
So wäre es durchaus möglich gewesen, daß die Redaktionen einem Joke des Postillion aufgesessen wären. Und das ist das Schlimme daran. Man traut es den Medien einfach zu, weil man es mittlerweile gewohnt ist. Die Glaubwürdigkeit ist am Boden, auch wenn Statistiken der Medienbranche immer wieder das Gegenteil belegen sollen. Diese Story rund um Pofalla ist dafür ein unschlagbarer Beweis.

Solange die Medienbranche das nicht verstanden hat, wird deren steter Abwärtstrend anhalten. Da werden absurde Gesetze, wie das Leistungsschutzrecht, und immer weitere Einsparungen nichts daran ändern. Nur journalistisch gute Arbeit und eigene, verläßlich recherchierte Geschichten können die Lösung sein, um die Glaubwürdigkeit wiederherzustellen.

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2 Kommentare

  1. Pofalla ist wirklich das Letze. Über den würde ich gerne schreiben, wie ich es öffentlich nicht darf.

    Was der uns permanent für Lügen aufgetischt hat, war wirklich allerhand. Wir haben das mit den Amerikanern geklärt, es gibt keine offenen Fragen mehr.

    Meine persönliche Meinung, die haben einfach nicht mit ihm gesprochen. Who are you?

  2. Leider darf man viele Sachen nicht zum Ausdruck bringen. Es ist aber kein Einzelfall. Nur ein Fall der groß geschrieben wurde. Ich bin gespannt was am Ende herauskommen wird. Das hat der Postillon wieder einmal gut getroffen.

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