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Auto: der Hype verblasst

Das einstige Statussymbol verliert an Glanz.

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„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ – dieser Spruch aus einem dümmlichen Finanzwerbespot enthält leider viel Wahres. Viele Menschen definieren sich und ihre Mitmenschen, darüber, was jemand an materiellen Dingen angehäuft hat. Das dies eine ärmliche Sicht auf die Welt ist, diese Erkenntnis setzt sich jedoch allmählich durch.

Alle 2 bis 3 Jahre das jeweils neueste Fabrikat eines möglichst deutschen Autoherstellers auf seiner Auffahrt stehen zu haben, war für viele Menschen in Deutschland ein sehr erstrebenswertes Ziel. Um dies zu erreichen, wurden bewußt Kredite abgeschlossen, bei denen von Anfang klar war, daß die Befriedigung der hohen Raten nur unter besten Bedingungen gelingen würde. Doch lieber verzichtete man auf andere Dinge als auf das neue Auto. Lieber holte man seine Lebensmittel bei einem der zahlreichen Discounter oder verzichtete auf Kultur und Bildung. Hauptsache der Nachbar schickte neidische Blicke durch die Gardine, wenn man mit dem neuen Auto in der Siedlung aufkreuzte. Doch bald darauf feierte der Nachbar seinen kleinen, teuren Triumph, was wiederum gekontert werden mußte, usw. usf.
Doch dieser Trend scheint allmählich abzuebben. Zwar feierte sich die Branche mal wieder jüngst auf ihrer wichtigen Messe, der IAA in Frankfurt, und weiß die Medien und die Kanzlerin auf ihrer Seite, doch am Statussymbol Auto beginnt der Lack häßliche Roststellen zu bekommen.

Die Hostessen auf den Messeständen posierten und grinsten wie immer, die Messebauer installierten wie immer beeindruckende Präsentationsflächen, Bühnen und mobile Messesysteme, die Shows waren super inszeniert und die Autos glänzten, daß man sich im Lack spiegeln konnte. Doch all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es der Automobilbranche schlecht geht. Der Absatz stagniert erheblich, vor allem in Europa. Daran schuld ist nicht nur die schlechte wirtschaftliche Lage in den südeuropäischen Staaten, sondern auch das wachsende Desinteresse einer großen Masse von jungen Menschen. Mal wieder wird ein Trend gründlich verschlafen.

Diese Autoverweigerer wohnen hauptsächlich in den großen Städten und geben ihr Geld lieber für andere Dinge aus. Ein Auto ist für diese Menschen vor allem eines: ein Gebrauchsgegenstand. Emotionen Fehlanzeige.
Ein Auto zu besitzen steht auf ihrer Wunschliste, wenn überhaupt, nur auf einem Platz ganz weit unten. Ein Auto bindet zu viel Kapital, das man im Zweifel gar nicht besitzt und sich teuer beschaffen müßte, und bringt viel Streß bei der Suche nach einem Parkplatz in der verstopften Innenstadt. Kosten für Wartung, Reparaturen, Benzin und Versicherung verstärken diese negative Bilanz zusätzlich.

Junge Menschen besitzen lieber ein eigenes Smartphone als ein Auto. Falls sie doch mal eins brauchen, beispielsweise für einen Möbelkauf, der sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht bewerkstelligen läßt, dann setzen sie verstärkt auf Mietwagen und Carsharing-Angebote. Das wird das Thema der Zukunft sein. Intelligente Nutzung von möglichst wenigen Autos durch möglichst viele Menschen, ohne die Umwelt unnötig zu belasten.
Doch die deutschen Autobauer setzen weiterhin auf Hochglanzprospekte und teure Automessen. Dabei ist selbst der Besitz des Führerschein heute vielen Jugendlichen in den Städten längst nicht mehr so wichtig, wie das früher einmal der Fall war.

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