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Twitter wird erwachsen

Unter dem Hashtag #aufschrei läuft eine wirklich ernsthafte Aktion.

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#aufschrei. Heute ist der Tag, an dem Twitter ein ganzes Stück erwachsener geworden ist.

Es findet wohl zum ersten Mal eine solch heftige und viel beachtete Diskussion über Sexismus auf dem Kurznachrichtendienst statt. Angestoßen durch die Diskussion über einen Artikel, in dem das unhaltbare Verhalten des zukünftigen FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle gegenüber einer Journalistin geschildert wird, berichten Frauen unter dem Hashtag #aufschrei über ihre Erfahrungen mit dem ganz alltäglichen Sexismus.

Auf der Straße, im Job, beim Studium, im Zug oder Bus. Die Diskriminierungen, die Frauen im Deutschland des Jahres 2012 tagtäglich erleben, gehören offenbar so zu ihrem Leben, daß sie das meiste davon gar nicht mehr richtig als das einordnen, was es ist. Nämlich purer Sexismus. Vieles wird stumm hingenommen und ertragen.
Unter #aufschrei schreiben sich die Frauen auf Twitter nun ihre Erfahrungen von der Seele. Bedrohliche Begegnungen in der Nacht, verbale und körperliche Übergriffe oder auch tragische Begebenheiten. Es ist alles dabei. Und es sind nicht so wenige Frauen, die sich hier den Frust von der Seele schreiben, daß man noch von Einzelfällen sprechen könnte. Vielmehr ist wohl alles noch viel schlimmer, wenn man bedenkt, daß nur ein kleiner Prozentsatz der Betroffenen überhaupt Twitter nutzt und noch viel weniger offen ihre Erlebnisse in Tweets oder Blogartikel fassen.

Vielleicht gelingt es mit der #aufschrei-Aktion wirklich etwas zu bewegen. In den Köpfen der Männer. Denen ist ihr Fehlverhalten offenkundig gar nicht mehr bewußt. Die Aktion könnte ihnen die Augen öffnen für das Empfinden des weiblichen Gegenüber. Viele kleine Anzüglichkeiten werden so vielleicht in Zukunft nicht mehr passieren. Sollte das dabei herauskommen oder die Männer zumindest zum Denken anregen, dann hätte Twitter heute wirklich Großes geleistet. Dann wäre Twitter ein großes Stück erwachsen geworden.

Natürlich finden sich -wie immer- auch diesmal Trolle und Spötter. Aber das kann die Twitter-Gemeinschaft gut aushalten. Diese Nutzer, die der Initiative #aufschrei mit abfälligen und chauvinistischen Kommentaren begegnen, schaden am Ende nur sich selbst. Ein ganz normaler Prozeß der Selbstreinigung wird einsetzen und diese User sehr einsam werden lassen.

Und während die Politik seit Monaten über das Einführen von Frauenquoten in DAX-Unternehmen streitet und die zuständige Ministerin versucht, ihre unsägliche Flexi-Quote als den Problemlöser aller Feminismusfragen unters Volk zu bringen, beschäftigen die Frauen in Wirklichkeit ganz andere Dinge. Denen geht es um die Wahrnehmung substanzieller Menschenrechte. Bei keinem Thema ist die Politik wohl mehr von der Realität entfernt als bei diesem.

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Ein Kommentar

  1. Das muss man sich echt mal auf Twitter durchlesen. Was da manche schreiben lässt einem echt die Haare zu Berge stehen.

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