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Eklat bei Preisverleihung

Redakteure der Süddeutschen Zeitung lehnen renommierten Henry-Nannen-Preis ab.

Das nennt man Courage. Der unter Journalisten sehr hoch angesehene Henry-Nannen-Preis soll verliehen werden und die Auserwählten lehnen ihn ab, weil sie nicht damit einverstanden sind, wer ebenfalls mit diesem Preis geehrt werden soll. Konkret geht es um die Ehrung eines Autoren-Teams der BILD.

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BILD

Das BILD-Team sollte den Nannen-Preis ausgerechnet für deren Bericht um den ominösen Hauskredit des mittlerweile zurückgetretenen Bundespräsident Wulff bekommen. Dabei ist es doch wahrscheinlich eher so gewesen, daß BILD mit der Veröffentlichung der brisanten Informationen nur den eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen wollte.

BILD war mit Christian Wulff eine äußert innige Medienpartnerschaft eingegangen. Wulff benutzte BILD und andere Medien des Springer-Konzerns für PR in eigener Sache. Wulff und seine Frau Bettina wurden von BILD geradezu in den Himmel geschrieben, zumindest aber als Ersatz für echte Monarchen gehandelt. BILD dürfte als Ausgleich für dieses Glamour-Theater regelmäßig exklusive Informationen zugespielt bekommen haben. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit.
Doch wer so innig zusammen arbeitet, dem dürften auch nicht die Unregelmäßigkeiten in Wulffs Leben entgangen sein. BILD kannte diese sicherlich. Als SPIEGEL und andere Medien die Recherchen in Bezug auf den Hauskredit aufnahmen und eigene Berichte vorbereiteten, war BILD klar, daß dies auch auch sie selbst zurück fallen würde. Deshalb wurde Wulff lieber fallen gelassen und BILD brachte den Bericht „Wirbel um Privat-Bericht – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“. Als Wulff wegen dieses Artikels bei BILD-Chefredakteur Diekmann auf die Mailbox sprach und mit Konsequenzen drohte, nutze BILD das geschickt, um sich selbst als Opfer zu inszenieren. Damit setzte sich BILD gekonnt an die Spitze der Aufklärung.

Und ausgerechnet für diesen Treppenwitz der Mediengeschichte bekam das BILD-Autorenteam nun den Henry-Nannen-Preis zugesprochen. Das wollten die Redakteure der SZ nicht mitmachen. Sie bedankten sich für die Nominierung, lehnten den Preis aber ab. Sie möchten nicht gemeinsam mit der BILD ausgezeichnet werden. Respekt.

Quellen: SZ, NachDenkSeiten

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