Informelles

für Dich aus Politik und Gesellschaft.

Überwachungskameras verstärken Gewalt

Kameras in Bahnhöfen und im öffentlichen Raum schrecken nicht ab, sondern scheinen Gewalt anzuziehen.

Anzeige

Kaum ein Innenpolitiker, egal ob in den Ländern oder im Bund, der nicht auf das Allheilmittel Kameraüberwachung setzt. Wenn Kameras im öffentlichen Raum verstärkt zum Einsatz kommen, dann wird alles viel sicherer, so der immer gleichlautende Tenor. Und so hat sich die Zahl der Überwachungskameras in den letzten Jahren massiv erhöht. Die Sicherheit wurde dadurch aber nicht erhöht, eher im Gegenteil.

Was die Anhänger der simplen Methode „Kameraüberwachung“ gern vergessen oder gezielt verschweigen, ist, daß es auch jemanden geben muß, der kompetent und zuverlässig die Live-Bilder der Kameras beobachtet, auswertet und die richtigen Schlüsse zieht, sprich Einsatzkräfte zur Gefahrenabwehr an den Ort des Geschehens schickt.
Im realen Leben, fern ab von Politikerträumen hapert es hier gleich an mehreren Stellen. Zunächst gibt es niemanden, der permanent die Masse der Kameras im Blick hat oder haben kann, schon gar nicht live. Und es gibt kaum noch Einsatzkräfte, die sofort zum Einsatz eilen könnten. Gerade in U- und S-Bahnen wurde in den letzten Jahrzehnten massiv Sicherheitspersonal abgebaut, auch wegen der Kameras. Das rächt sich im Notfall. Die Polizei kann diesen Dienst kaum effektiv leisten, sind die Beamten doch schon heute mit allerlei sinnlosen Tätigkeiten belastet.
Es bleibt einzig und allein die Möglichkeit, nach einer Straftat die aufgezeichneten Bilder auszuwerten und so vielleicht der Täter schneller habhaft zu werden. Doch schnellere Täterermittlung hat nichts mit Erhöhung der Sicherheit zu tun. Das mußten die Toten und Schwerverletzten in S- und U-Bahnen  am eigenen Leib erfahren.

Ü-Kameras verstärken Gewalt
Doch es kommt noch schlimmer und macht die Kameraüberwachung im öffentlichen Raum zur echten Gefahr. Seit einigen Jahren ist zu beobachten, daß die Heftigkeit der Gewaltaten zunimmt. Die Toten in der S-Bahn München 2009 und der U-Bahn Hamburg 2010 sind dafür schreckliche Beispiele. Psychologen kommen nach Auswertung dieser Taten zu der Ansicht, daß die Tatsache, daß die Bahnsteige mit Kameras überwacht werden, zur Zunahme der Gewalt und ihrer Schwere beitragen.

Auffällig oft kam es in den letzten Jahren zu sogenannter blinden Gewalt. Täter schlagen ohne erkennbaren Grund mit einer schier grenzenlosen Brutalität auf Unbeteiligte ein. Nur, weil jemand falsch geguckt hat. Und das vor laufender Kamera. Psychologen sehen darin einen Zusammenhang. Offenbar haben vergangene Fälle, wie der in der U-Bahn Hamburg, von dem man tagelang die Videoaufzeichnungen des brutalen Überfalls in allen Einzelheiten in den Medien sehen konnte, eine gewisse Sogwirkung auf junge, straffällig bereits auffällig gewordene Männer. Solche Schlägertypen sehen allein in der Tatsache, daß sie mit einem Gewaltvideo unter die Top-Ten im Internet kommen können, genug Motivation, einen völlig Unbekannten brutal zusammenzuschlagen. Ohne Kamera und möglichen „Internetruhm“ würde es wahrscheinlich gar nicht zum Übergriff kommen.
Eine vernichtende Bilanz.

Wenn die U- und S-Bahnen wirklich etwas für die Erhöhung der Sicherheit in ihren Fahrzeugen und auf den Bahnhöfen tun wollen, dann werden sie um eine massive Aufstockung des Sicherheitspersonals nicht herumkommen. Immer noch mehr Kameras und Sicherheitssäulen sind definitiv der falsche Weg.

Quelle: der Freitag

Anzeige



Teile diesen Artikel mit anderen:

2 Kommentare

  1. Also, das Kameras die Gewalt verstärken, halte ich für totalen Unfug.

    Richtig ist, dass das ausstrahlen der aufgezeichneten Gewaltakte in den Medien die Gewalt verstärkt!

  2. Wenn die Kameras nichts aufzeichnen würden, könnte nichts in den Medien ausgestrahlt werden. Das alte Huhn/Ei-Problem.

banner