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Statt 10 EUR Praxisgebühr 9 EUR pro Arztbesuch

Tolle Entlastung der Kranken durch die Tigerenten.

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Man muß bei der schwarz-gelben Regierung sehr genau hinsehen, sonst wird man ganz schnell über den Tisch gezogen. Dann entpuppen sich vermeintliche Geschenke plötzlich als Abzockfalle.
So auch bei der leidigen Praxigebühr. Ein verwaltungstechnisches Monstrom, das keinerlei der gewünschten Ziele erreicht hat.

Seit Anfang 2004 müssen alle in einer gesetzlichen Krankenkasse Versicherten pro Quartal 10 EUR Eintrittsgebühr in die Praxis bezahlen. Der Arzt hat außer dem Mehraufwand für das Eintreiben nichts von dem Geld. Er ist jedoch im eigenen Interesse sehr daran interessiert, daß auch alle Zahlungspflichtigen diese Gebühr sofort entrichten, denn die 10 EUR werden ihm mit seinen Honoraren von der Krankenkasse verrechnet.

Gern werden für die Beurteilung der Sinnhaftigkeit der Praxisgbühr die gesunkenen Patientenzahlen herangezogen. So sind die Arztbesuche nach Einführung der Gebühr insgesamt um 8 Prozent zurückgegangen. Die Politik schließt daraus, daß die Praxisgebühr so zur Entlastung der Krankenkassen beigetragen hat, weil sich die Patienten bei kleineren und Bagatellfällen selbst „verarztet“ haben. Somit hätte sich die Praxisgebühr als Steuereungselement bewährt.
Nur leider vergessen die Verantwortlichen auch hier wieder, über den selbstgesteckten Horizont hinaus zu denken. Es gibt überhaupt keine Untersuchungen darüber, wieviele der von dieser Gebühr verschreckten Versicherten, es sich schlicht nicht mehr leisten können, zum Arzt zu gehen. 10 EUR pro Quartal sind für Hartz4-Bezieher kein Pappenstiel. Deshalb sparen sich viele die 10 EUR und den Arztbesuch.

Doch jetzt kommt die schwarz-gelbe Koalition und schafft diese Gebühr ab. Verhandlungsführerin Ursula von der Leyen hatte die geniale Idee zur Entlastung der Versicherten: Keine 10 EUR mehr pro Quartal. Nein nur noch 9 EUR sollen ab 2011 fällig sein. Wahnsinn.
Doch wie bei Zensursula üblich hat die Sache einen Haken: Die 9 EUR sollen bei jedem Arztbesuch fällig werden! Jeder, der mehr als einmal im Quartal zum Arzt geht, überschreitet die 40 EUR, die nach der bisherigen Regelung pro Jahr fällig waren, so ganz schnell. Nix mit Senkung. Nix mit Entlastung.

Offenbar erschließt sich das Vorhaben nicht Jedem auf dem ersten Blick. So kann man z.B. beim Focus in den Leserkommentaren allgemeine Zustimmung zu den Plänen lesen. Der Tenor dort: „Besser wäre die totale Abschaffung gewesen. Aber 1 EUR Senkung ist doch auch schon mal etwas.“ Daß sie in Summe viel mehr bezahlen werden, haben diese Kommentatoren schlicht überlesen.
Deshalb nochmal zur Warnung: Bei Schwarz-Gelb immer das Kleingedruckte ganz genau lesen und im Zweifel vom Schlimmsten ausgehen.

Quelle: Focus, Wikipedia

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4 Kommentare

  1. Das ist empörend und Volksverarschung. Es gibt viele die nicht oder zu spät zum Arzt gehen, weil sie es sich nicht leisten können oder sagen: Warten wir erst einmal ab bevor wir die 10€ bezahlen. Und jetzt soll man regelmäßig blechen? Unverschämt und auf Kosten der Gesundheit. Da wird einem dauernd von Früherkennung und so besseren Heilungschancen erzählt und dann kommt so etwas.

  2. Pingback: Tweets die Statt 10 EUR Praxisgebühr 9 EUR pro Arztbesuch - Quartal, Gebühr, Entlastung, Arzt, Versicherten, Deshalb, Senkung, Arztbesuch - Informelles erwähnt -- Topsy.com

  3. Man wird meistens nicht veräppelt, sondern verrechnet.

  4. Da sieht man, dass „gelb“ anscheined doch ernst macht mit den Änderungen am Gesundheitssystem. Und davor graut mir jetzt schon. In letzter Zeit häufen sich die Aussagen dass – man eben besser privat vorsorgen soll – dass man manche Leistungen eben nur mehr mit zusätzlichen privaten Extraversicherungen kriegen soll und dergleichen mehr. Ich kann nur hoffen, dass die CDU eben nicht jeden Blödsinn mitmacht und dass in einigen Jahren dann die SPD und Linke von solchen Untergrabungen des Gesundheitssystemes profitieren kann.
    Ich kann nur aus eigener Erfahrung als Kleinunternehmer sagen, dass ich nach einer Zeit in privater Krankenversicherung mit viel Glück in die gesetzliche Versicherung zurückgekommen bin. Und nach meinen Erfahrungen oprofitieren eben NUR diejenigen von privater Vorsorge die eben so viel verdienen dass Beiträge zwischen 500 und 1000 Euro je Monat ein „Schnäppchen“ sind gegenüber einer prozentualen Krankenkassengebühr. Auf diese Art wird der Solidaritätsgedanke der Gesundheitsvorsorge immer mehr untergraben und ich halte dies für mehr als Bedenklich. Auch die Forderung nach mehr Privatisierung und Konkurrenz kann ich da nicht gutheissen.
    Konkurrenz? Bei lebenswichtigen Operationen oder Madikamentationen? Wie soll das aussehen? Darf ich mich in Zukunft entscheiden eine (teure) Blinddarmoperation im Krankenhaus vornehmen zu lassen oder lieber (billig)von der Konkurrenz in einer zum Operationsaal umgebauten Garage?
    Ist es das was schwarz-gelb unter den Segnungen einer freien Marktwirtschaft versteht?
    Ich befürchte leider dass es ganau das ist. Nicht ganz so schlimmm wie ich es übertrieben dargestellt habe – aber letztendlich läuft es genau in diese Richtung.

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